Montag, 09.08.2010 11:17

"WiWo": Google testet fliegende Kamera-Drohnen

aus dem Bereich Sonstiges

Bislang ist es insbesondere ein Merkmal, dass den Microsoft-Kartendienst Bing Maps von Konkurrent Google Maps unterscheidet: die sogenannte Vogelperspektive. Während Google Maps lediglich Satellitenbilder zur Verfügung stellt, bietet die Redmonder Version in urbanen Gegenden zusätzlich schräge Aufnahmen aus der Luft, die unterschiedliche Blickwinkel zulassen und weitere Details am Boden offenbaren. Auch Google scheint nun ähnliches zu planen. Nach einem Bericht der "WirtschaftsWoche" (WiWo) testet der Internetkonzern derzeit den Einsatz ziviler Kameradrohnen, die Bodenaufnahmen in bislang ungeahnter Qualität ermöglichen. Datenschützer sind beunruhigt.

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Hochauflösende Kameras mit hoher Reichweite

Lieferant der Mini-Flieger ist nach eigenen Angaben der deutsche Drohnenhersteller Microdrones aus Siegen. Es sei bereits eine Drohne an Google geliefert worden, so das Unternehmen. "Wir haben gute Chancen, mit Google dauerhaft ins Geschäft zu kommen", so Microdrones-Chef Sven Juerss. Er hoffe, schon bald Dutzende fliegende Augen nach Kalifornien liefern zu können. Die Drohnen seien etwa bestens geeignet, um aktuellere Aufnahmen für Google Earth zu liefern.

Die vollautomatischen Fluggeräte mit integriertem GPS-Sender haben eine Reichweite von mehreren tausend Metern und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde (km/h). Je nach Modell können sie bis zu 70 Minuten in der Luft bleiben. Die Flugroute lässt sich im Vorfeld programmieren. Mit vergleichsweise wenig Aufwand ist so das detaillierte Fotografieren großer Landschaftsteile möglich - etwa für Googles Kartendienste. Bislang liegen die Pläne des Konzerns allerdings weitgehend im Dunkeln. Laut "WiWo" verweigerte das Unternehmen jegliche Stellungnahme. Datenschützer sind dennoch alarmiert. "Die Probleme könnten noch tiefgreifender sein als bei Google Street View", betonte Ulrich Lepper, Datenschutzbeauftragter in Nordrhein-Westfalen.



Die Kamera-Drohnen erlauben detaillierte Einblicke mit wenig Aufwand. Auch Google will davon profitieren.

Unbemerktes Vordringen in private Bereiche möglich

Besonders problematisch sei, dass die nahezu lautlosen Flieger in der Lage seien, völlig unbemerkt in private Bereiche vorzudringen. Im Unterschied zu herkömmlichen Luftbildern lassen sich dabei Aufnahmen mit weitaus höheren Auflösungen und erheblich mehr Details generieren – etwa von Gärten, Dachterrassen oder Balkonen. Auch Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte könnten theoretisch installiert werden. Microdrones-Chef Juerss hält die Aufregung für übertrieben. "Es war immer schon verboten, mittels Foto und Film in die Privatsphäre einzudringen. Unsere Drohnen haben an dieser Rechtslage nichts geändert", sagte er. Dennoch ist für Google nach Street View und WLAN-Erfassung der nächste Ärger vorprogrammiert.

Grund: Auch die Behörden in vielen Ländern wissen um die Fähigkeiten der "Microdrones". So nutzen Rettungsdienste, Polizei oder Umweltschützer vielerorts die zahlreichen Fähigkeiten der fliegenden Augen. Hierzulande verfügen unter anderem sächsische und niedersächsische Landespolizei über eigene Exemplare mit spezieller Kameratechnik. Bestücken lassen sich die Fluggeräte allerdings ebenfalls mit Sensoren - etwa zur Messung der Luftqualität.

Update, 16:12 Uhr

Google hat sich mittlerweile in einer Stellungnahme geäußert. Wie der deutsche Google-Pressesprecher Stefan Keuchel am frühen Montagnachmittag in einem Kommentar zum Artikel der "WirtschaftsWoche" mitteilte, entbehre der Bericht jeglicher Grundlage. "Wir suchen immer nach Wegen, um unsere Karten-Dienste wie Google Maps oder Google Earth zu verbessern. Als Teil dieser Bemühungen erforschen wir viele verschiedene Technologien, aber wir testen oder nutzen diese nicht", so Keuchel. Google setze keine Drohnen für Google Maps, Google StreetView oder Google Earth ein. Gegenüber bild.de erklärte er zudem, es gebe keinerlei Geschäftsbeziehung zu Microdrones. Möglicherweise habe aber ein Google-Mitarbeiter privat eine der Drohnen bestellt.

Christian Wolf
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