Mittwoch, 04.08.2010 12:15

Unitymedia: Boom bei Kabel-Internet lässt nach

aus dem Bereich Breitband

Der Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia gehört seit Anfang des Jahres zum weltweit tätigen Kabelkonzern Liberty Global des US-Medienmoguls John Malone. Liberty Global hatte Unitymedia für 3,5 Milliarden Euro gekauft. Auch unter neuer Führung setzt Unitymedia weiter auf eine Aufrüstung seines Netzes zur Nutzung von Telefonie und schnellem Internet mit bis zu 128 Megabit pro Sekunde. Doch zahlt sich diese Strategie für den in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiven Kabelnetzbetreiber aus? Das Unternehmen legte nun vorläufige Zahlen für das am 30. Juni dieses Jahres beendete zweite Quartal vor. Ein Blick auf das Zahlenwerk zeigt: der Kundenansturm des vergangenen Jahres hat sich abgeschwächt.

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Kundenverlust bei Kabelfernsehen

Mit dem traditionellen Kabelfernsehen kann Unitymedia immer weniger Kunden für sich begeistern, die Anzahl der Abonnenten sank von 4,57 Millionen Ende Juni des vergangenen Jahres auf 4,51 Millionen Ende Juni dieses Jahres. Der Kabelnetzbetreiber zählt jeweils die Zahl der Abonnements, die sogenannte "Revenue Generating Unit" (RGU). Ein Kunde kann auch mehrere Abonnements abschließen, etwa für Kabelanschluss, Telefon und Internet. Der Anstieg um 15 Prozent bei Abonnements eines digitalen Kabelanschlusses konnte den Rückgang bei analogen Kabelanschlüssen nicht ausgleichen. Im Zeitraum von Ende März bis Ende Juni 2010 zählte Unitymedia 56.000 weniger analoge Kabelanschlüsse, konnte gleichzeitig aber nur 40.000 neue digitale Kabel-Abonnements hinzugewinnen. Einer Zahl von 1,46 Millionen digitalen Kabelanschlüssen stehen immer noch 3,05 Millionen analoge Anschlüsse gegenüber.

Starker Anstieg bei Internet und Telefonie - aber langsameres Wachstum

Mit den neuen Diensten Telefonie und Internet über Kabel konnte Unitymedia im vergangenen Jahr punkten. Aktuell schwächt sich der Boom jedoch ab. Die Zahl der Internetkunden stieg bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahr zwar um 37 Prozent von 499.000 auf 682.000 an. Im zweiten Quartal dieses Jahres meldet der Anbieter aber nur 43.000 neue Internetnutzer gegenüber 50.000 neuen Internetabonnements ein Quartal zuvor. Im starken vergangenen Jahr konnte Unitymedia im zweiten Quartal sogar 58.000 neue Internetkunden gewinnen. Ähnlich auch das Bild bei den Telefonprodukten über das Kabelnetz. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der gebuchten Telefonabonnements um 39 Prozent von 490.000 auf 682.000 an. Von März bis Juni dieses Jahres kamen 44.000 neue Telefonabonnements hinzu, im ersten Quartal hatte Unitymedia noch 52.000 neue Abonnements verkaufen können, in der Mitte des vergangenen Jahres kam der Provider sogar auf 62.000 Telefon-Abos. Unitymedia erklärt den Rückgang unter anderem durch die im vergangenen Jahr sehr erfolgreich durchgeführte DSL Wechsler-Kampagne und die gut angenommenen 3play-Produkte. Im zweiten Quartal buchten 74 Prozent aller Internetkunden ein 3play-Paket.

Die neuen Dienste Internet, Telefon und Digital TV machen inzwischen einen Anteil von 48 Prozent aller Abonnements aus - im Vorjahr kamen diese Dienste erst auf 41 Prozent. Insgesamt kann Unitymedia technisch inzwischen 8,82 Millionen Kunden erreichen. Davon können nach Unternehmensangaben 8,19 Millionen Haushalte Dienste wie Internet und Telefon nutzen. Die Gesamtzahl der Unitymedia-Kunden nahm leicht ab. Ende Juni des vergangenen Jahres zählte der Kabelanbieter 4,57 Millionen Kunden, ein Jahr später sind es mit 4,56 Millionen rund 8.000 Kunden weniger. Der durchschnittliche Monatsumsatz pro Kunde stieg innerhalb eines Jahres von 14.06 Euro auf 14.84 Euro Ende Juni. Die Zahl der Abonnements (RGU) pro Kunde wuchs im gleichen Zeitraum von 1.22 auf 1.29 Einheiten an. Über alle Dienste gesehen stieg die Anzahl der RGUs im Jahresvergleich von 5,56 Millionen auf 5,87 Millionen an - ein Anstieg um 313.000 (rund 6 Prozent).

Unitymedia erzielt im ersten Halbjahr Verlust von 32,9 Millionen Euro

Finanziell betrachtet verliefen die ersten sechs Monate dieses Jahres für den Kabelnetzbetreiber weniger erfreulich als noch im vergangenen Jahr. Unitymedia erzielte von Januar bis Ende Juni unter dem Strich einen Verlust von 32,9 Millionen Euro, im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 15,2 Millionen Euro verbuchen können. Den Umsatz mit seinem Kabelgeschäft konnte Unitymedia innerhalb eines Jahres von 441,6 Millionen Euro auf 458,7 Millionen Euro steigern. Das EBITDA, der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen, legte im zweiten Quartal dieses Jahres von 115 Millionen Euro auf 137 Millionen Euro zu, innerhalb der ersten sechs Monate wuchs der Gewinn von 229 Millionen Euro auf 260 Millionen Euro. Die Satelliten-Plattform Arena steuerte im zweiten Quartal nur noch 4,3 Millionen Euro zum Umsatz bei, ein Jahr zuvor waren es noch 87,1 Millionen Euro gewesen. Die endgültige Abschaltung von arena soll im Herbst erfolgen.

Jörg Schamberg
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