Donnerstag, 29.07.2010 10:21

Facebook: 100 Millionen Nutzer-Profile downloadbar

aus dem Bereich Sonstiges

Schwere Sicherheitslücke beim sozialen Netzwerk Facebook oder unkritischer Datenwust? Ein auf Netzsicherheit spezialisierter Blogger hat in den USA 100 Millionen öffentlich zugängliche Facebook-Profile gesammelt und bietet die gigantische Liste jetzt frei im Internet zum Herunterladen an. Er habe ein "beängstigendes Datenschutz-Problem" gefunden, begründete Ron Bowes in seinem Weblog die Aktion.

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Facebook: Persönliche Daten nicht gefährdet

Das ohnehin wegen seines Umgangs mit persönlichen Daten im Kreuzfeuer stehende US-Unternehmen wiegelte am Mittwoch ab: "In diesem Fall hat ein einzelner Rechercheur Informationen gesammelt, bei denen die Leute zugestimmt haben, dass sie öffentlich zugänglich sind", sagte eine Facebook-Sprecherin. Die Informationen existierten bereits in Suchmaschinen. Es seien keine persönlichen Daten gefährdet worden, versicherte sie. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte jedoch am Donnerstag der Deutschen Presse- Agentur, eine solch massenhafte Zusammenstellung berge "erhebliche Missbrauchspotenziale für alle möglichen Zwecke".

Bowes hatte die Facebook-Welt mit einem speziellen Programm, einem einfachen "Spider" oder "Crawler", durchkämmt und dabei Namen und den dazugehörigen Link zum Profil zusammengetragen, wo sich das Foto des Nutzers und seine Kontakte finden. Das Ganze bündelte Bowes in einer knapp drei Gigabyte großen Datei. Die kann sich nun jedermann über die Online-Tauschbörse "Pirate Bay" auf den eigenen Computer holen und nach Belieben auswerten. In der Nacht hatten das bereits mehr als 4.300 Internetnutzer getan, Tendenz schnell steigend. Das Blog von Bowes, SkullSecurity.com, brach unter dem großen Interesse zusammen. Auf Twitter schrieb Bowes: "Die Reaktion auf meine Facebook-Daten ist unglaublich." Bowes kündigte an, dass es auch möglich sei, die "Freunde" der Facebook-Mitglieder zu erfassen.

Gesammelte Profilinformationen ohnehin öffentlich abrufbar

"Das ist fantastisch und ein bisschen furchteinflößend", lautete der Kommentar eines Nutzers. Facebook selbst verglich die Liste mit einem Telefonbuch. "Das sind die Informationen, die abrufbar sind, damit sich die Leute untereinander finden", sagte die Sprecherin. Dies sei schließlich der Grund, weshalb die Menschen bei Facebook seien. Wenn jemand nicht gefunden werden wolle, könne er sein Profil entsprechend einstellen. Unter anderem diese Einstellungen hatten in der jüngeren Vergangenheit für Unmut gesorgt. Kritiker warfen dem US-Unternehem vor, Facebook mache es seinen Nutzern unnötig schwer, ihre Privatsphäre zu schützen. Bowes selbst machte sich in seinem Weblog über Facebooks Ratschlag lustig, die persönlichen Daten zu verstecken: "Ich habe sie schon alle."

Datenschutzbeauftragte sieht Missbrauchsgefahr bei der Datensammlung

"Das ist äußerst kritisch zu sehen", sagte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Caspar zur Datensammlung bei Facebook. Die massenhafte Zusammenstellung solcher Daten ermögliche eine automatisierte Auswertung. Denkbar sei der Missbrauch für Werbezwecke oder durch staatliche Stellen. Die Datenschützer hätten die Netzwerkbetreiber immer wieder darauf hingewiesen, dass es erforderlich sei, eine solche Erhebung von Daten zu verhindern. Der Facebook-Fall erinnert an die Datenpanne beim SchülerVZ im Oktober vergangenen Jahres. Damals wurden 1,6 Millionen Daten aus diesem vor allem von Minderjährigen genutzten Netzwerk zusammengestellt. Im Mai dieses Jahres wurden erneut massenhaft Daten von SchülerVZ kopiert und dem Blog netzpolitik.org zugespielt.

Jörg Schamberg / dpa
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