Soziale Netzwerke und Online-Spiele boomen im Internet. Dominierender Player ist hier vor allem das US-Netzwerk Facebook mit über 500 Millionen Mitgliedern weltweit. Andere Unternehmen wollen da nicht länger abseits stehen und ebenfalls vom schnell wachsenden Markt profitieren. In dieser Woche gab etwa der US-Unterhaltungskonzern Disney den Kauf des Spieleentwicklers Playdom bekannt, der Kaufpreis liegt bei bis zu 587 Millionen Euro. Auch der US-Internetkonzern Google plant laut einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) hinter den Kulissen angeblich bereits einen größer angelegten Einstieg in die Welt der Online-Spiele und eine Erweiterung seiner Aktivitäten im Bereich der sozialen Netzwerke. Die US-Zeitung beruft sich dabei auf Angaben von mit den Planungen befassten Personen.
Google spricht mit Herstellern von Online-Spielen
Google sei demnach in Gesprächen mit mehreren Herstellern von populären Online-Spielen. Darunter sei neben dem gerade von Disney übernommenen Playdom auch Playfish von Electronic Arts und das Zynga Game Network. Zynga betreibt auf Facebook erfolgreiche Online-Games wie "Farmville" und "Mafia Wars". Alleine Farmville komme auf rund 60 Millionen aktive Online-Spieler. Facebook profitiert von dem Boom, denn die Spiele-Entwickler zahlen der Online-Plattform 30 Prozent der Einnahmen, die sie mit dem Verkauf von virtuellen Gütern in den Spielen umsetzen.
Soziale Spiele erwirtschaften in Ländern wie Japan und China laut "WSJ" bereits Einkünfte in Milliardenhöhe, in den USA kam der Online-Gaming Markt im vergangenen Jahr auf Einnahmen von rund 700 Millionen US-Dollar. Analysten rechnen bis 2012 sogar mit einer Verdreifachung dieser Summe. Für Google wäre ein stärkeres Engagement in diesem Bereich also durchaus verlockend. Zumal Facebook-Nutzer immer häufiger die Google-Internetsuchmaschine umgehen würden und neue Produkte und Webseiten auf Empfehlung von Facebook-Freunden entdeckten.
Google hüllt sich zu Online-Gaming-Planungen (noch) in Schweigen
Google selbst wollte die Spekulationen über einen größeren Social-Networking Einstieg nicht bestätigen. Mit den Planungen vertraute Personen sprechen laut "WSJ" zudem von noch nicht endgültig abgeschlossenen Überlegungen. Es ist daher unklar, ob und wann ein derartiger Google Service starten könnte. Google-Chef Eric Schmidt wiegelte in dieser Woche bei der Frage nach angeblichen Planungen zu einer Facebook-Konkurrenz denn auch ab: "Die Welt braucht keine Kopie der gleichen Sache." Vage bestätigte Schmidt allerdings eine zukünftige "Partnerschaft mit Zynga". Im Februar hatte der US-Internetkonzern mit Google Buzz bereits einen Ausflug in das weite Feld der sozialen Netzwerke versucht. Schnell geriet jedoch der mangelnde Datenschutz bei Google Buzz in die Kritik - und das mit Google Mail verknüpfte Buzz bei vielen Internetsurfern wieder in Vergessenheit.
Jörg Schamberg