Mittwoch, 14.07.2010 12:56

Studie: VDSL noch kein Erfolg bei Verbrauchern

aus dem Bereich Breitband

Die Internetprovider investieren in schnelle Breitbandanschlüsse und erhoffen sich davon das Geschäft der Zukunft. Schon im Dezember des vergangenen Jahres hatte jedoch 1&1-Vorstand Robert Hoffmann auf dem VATM-Glasfasertag in Düsseldorf festgestellt: "VDSL rockt noch nicht". Die Anwendungen, die hohe Bandbreiten erforderten, seien noch nicht da. Mehr als ein halbes Jahr später hat sich die Situation laut des aktuellen Telekommunikationsmonitors des Marktforschungsinstituts infas kaum geändert, VDSL werde mittelfristig kein Massenprodukt. Infas hatte für die Studie im Mai bundesweit 1.493 Personen telefonisch befragt.

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VDSL bringt Kunden kaum Mehrnutzen

Für die Kunden erschließe sich der Nutzen von VDSL, der Mehrkosten rechtfertige, derzeit noch nicht. Die in der Werbung versprochenen Surfgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) würden von den meisten Internetsurfern noch nicht benötigt. Selbst das Fernsehen über das Internet (IPTV) kann als Argument für Highspeed-Internet noch nicht punkten. Exklusive Sportberichterstattung würde neben der Telekom über Entertain auch die PayTV-Konkurrenz von Sky bieten. Ohnehin seien nur 37 Prozent der Bevölkerung sportbegeistert. Ein Viertel dieser Sportbegeisterten, die sich täglich Sport im Fernsehen anschauten, hätte ein Sky-Abonnement. Befragte, die sich nur wöchentlich einmal eine Sportsendung anschauen, sind eher weniger bereit, für Sport extra zu zahlen. Nur 10 Prozent dieser Personen verfüge über ein Sky-Abo. IPTV werde es daher schwer haben, mit Sport breite Massen zu begeistern.

Aber auch die Ausstrahlung von Hollywood-Blockbuster über das Internet ziele wieder nur auf einen Teil der Bevölkerung. Rund 28 Prozent der Deutschen würden sich gerne Spielfilme im TV anschauen, nur 7 Prozent von ihnen haben jedoch ein Sky-Abonnement. Neue Aufnahmemöglichkeiten wie zeitversetztes Fernsehen (Timeshift) oder das hochauflösende Fernsehen (HDTV) überzeuge nur eine kleine Bevölkerungsgruppe, zumal viele Haushalte noch keine erforderlichen HD-Flachbildfernseher besitzen würden. VDSL verspreche das Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen. Die Konsumenten würden hier jedoch noch eher skeptisch reagieren: 60 Prozent der Befragten würden im Internet und dem TV zwei unterschiedliche Dinge sehen, die sie auch getrennt voneinander nutzten wollten.

Klassisches DSL reicht den meisten Internetnutzern (noch) aus

Für die Mehrzahl der Internetnutzer reiche klassisches DSL aus. Für jüngere Internetsurfer stehe vor allem Chatten im Vordergrund ihrer Online-Aktivitäten. Ältere nutzten das Netz zum Mailen und zur Information. Auch andere populäre Anwendungen wie der Zugriff auf soziale Netzwerke, Online-Shopping oder Online-Banking lassen sich auch mit einem Downstream von DSL 6000 problemlos durchführen. Größere Dateien wie Filme oder Musik laden sich regelmäßig nur neun Prozent der Befragten aus dem Netz herunter. VDSL-Geschwindigkeit kann hier sinnvoll sein, Downloads lassen sich erheblich beschleunigen. Attraktive Anwendungen für die breite Masse fehlen ansonsten jedoch weiterhin.

Erst ein Prozent der Befragten nutzen VDSL

Laut infas würde erst rund ein Prozent der Befragten einen VDSL-Anschluss nutzen. Dies liegt allerdings unter anderem auch an der noch mangelnden VDSL Verfügbarkeit. Das Hochgeschwindigkeits-Internet werde vor allem zunächst in Ballungsgebieten angeboten, auch wenn die Provider in den letzten Monaten auch den Ausbau in ländlichen Gebieten vorangetrieben haben. Bleibe es aber bei dem bisherigen Angebot und dem Preisniveau, so zählt infas nur rund fünf Prozent der Haushalte zum engeren Kundenpotenzial für VDSL. Die Provider müssten daher den Mehrnutzen für den Verbraucher stärker in den Vordergrund stellen. Für einen Erfolg von VDSL müsste zudem die "geistige Trennung" zwischen Internet und Fernsehen in der Bevölkerung beseitigt werden. Infas sieht denn auch gerade in einem allumfassenden Produkt die Chance für neue Anwendungsmöglichkeiten für das Highspeed-Internet.

Jörg Schamberg
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