Mittwoch, 07.07.2010 18:16

Fast 2.700 Internetradios in Deutschland

aus dem Bereich Sonstiges

Zum zweiten Mal hat die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) in Zusammenarbeit mit der Berliner Strategieberatung Goldmedia ihren Webradiomonitor 2010 veröffentlicht. Im Vergleich zur Erstausgabe im Vorjahr konstatiert die Studie einen sprunghaften Anstieg in der Zahl vorhandener Internetradios in Deutschland und berichtet zugleich über interessante Nutzungsgewohnheiten der netzaffinen Hörergruppe.

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Innerhalb eines Jahres 700 neue Webradios

Basis der Analyse ist eine Befragung aller in Deutschland ansässigen Webradio-Betreiber, die von April bis Juni durchgeführt wurde. Insgesamt 2.692 Stationen konnten dabei erfasst werden – über 700 mehr als noch 2009. Die überwiegende Mehrheit der untersuchten Sender ist mit 80 Prozent ausschließlich über das Internet empfangbar, der Rest besteht hauptsächlich aus Live-Streams des regulären UKW-Rundfunks. Diese bieten den etablierten Radioanstalten auf der UKW-Frequenz die Möglichkeit, ihre Reichweite bei vergleichsweise geringen Kosten stark zu erhöhen und durch Zusatzangebote neue Zielgruppen zu erreichen. Wenig verwunderlich ist daher die gestiegene Zahl von Online-Ablegern in Form von sogenannten Submarken: 2009 lag ihre Zahl noch bei 127. Aktuell sind es bereits 151.

Auch das Interesse der Nutzerschaft steigt jährlich weiter an. Rund 11 Millionen Deutsche hören laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 Webradio, davon 12 Prozent regelmäßig. Die täglichen Zugriffszahlen liegen laut Webradiomonitor 2010 für reine Internetangebote bei durchschnittlich knapp 6.500 ausgelieferten Streams. Die UKW-basierten Streams erreichen rund 13.500 Abrufe pro Tag, die jeweiligen Submarken immerhin noch 2.000. Die meisten Web-Hörer "schalten" dabei erst am Abend ein. Im Vergleich zum klassischen Radio wird das Internetradio damit deutlich anders genutzt. Während der reguläre Rundfunk als sogenanntes "Nebenbeimedium" die Rolle eines Tagesbegleiters einnimmt, dessen Nutzungskurve ab dem Morgen langsam abfällt, zeigen Streaming-Angebote den gegenteiligen Verlauf. Sie sind damit eine Ergänzung zum klassischen Radiokonsum, ohne mit dem UKW-Rundfunk in direkte Konkurrenz zu treten.

Radionutzung
Während UKW-Radios gern tagsüber genutzt werden, schaltet der typische Webradio-Hörer erst am Abend ein.
Grafik: BLM-Webradiomonitor 2010

Radionutzung über mobiles Internet nimmt zu

Dennoch ist auch tagsüber eine Zunahme der Webradio-Nutzung zu erwarten. Grund ist die Verbreitung von Intenetradios über mobiles Internet auf Smartphones und Handys. Bislang sind rund 44 Prozent aller Webstreams auch unterwegs empfangbar. Weitere werden mit Sicherheit folgen, denn rund 70 Prozent aller Sender sehen hier einen wichtigen Wachstumsmarkt. Auch gaben über zwei Drittel der UKW-Anbieter an, über eine eigene iPhone-App zu verfügen. Gehemmt wird das weitere Wachstum allerdings durch die schleppende Vermarktung. Als Hauptgrund identifiziert die Studie das Fehlen einer einheitlichen Reichweitenmessung, die insbesondere für die Werbeindustrie von hoher Relevanz ist. Bislang erfolgt die Erhebung von Nutzerdaten jedoch höchst unterschiedlich und nicht immer in vergleichbarer Form zu den Konkurrenzangeboten.

Demnach nutzen knapp die Hälfte aller Anbieter eigene Logfile-Auswertungen. Rund 20 Prozent verlassen sich auf externe Lösungen wie Statistikprogramme oder Tracking-Tools. Lediglich ein Bruchteil der Stationen ist durch anerkannte Organisationen der Marketing-Wirtschaft wie der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IWV) oder der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) erfasst. Hingegen erhalten über zwei Drittel der befragten UKW-Sender entsprechende Nutzungsdaten bislang von ihrem Streaming-Provider. Für den wirtschaftlichen Erfolg der Branche sehen aber auch 90 Prozent der Webradio-Betreiber eine einheitliche Reichweitenmessung künftig als unabdingbar an. Derzeit wichtigste Werbeform ist mit 74 Prozent die Displaywerbung, gefolgt von Onlinespots und Sponsoring. Insgesamt finanzieren sich 45 Prozent der Anbieter zumindest teilweise über Werbung.

Christian Wolf
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 Ist ein Radio nicht ein Empfänger? (0 Beiträge) 
    Zuletzt kommentiert von kriewald am 08.07.2010 um 06:43 Uhr
 Beziehen sich die 2700 nur auf Kommerzielle Radiostationen ? (0 Beiträge) 
    Zuletzt kommentiert von Yoshi2001 am 07.07.2010 um 20:04 Uhr
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