Das Abgreifen von geschützten Daten durch sogenanntes Phishing sorgt immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. In einem aktuellen Fall traf es mehrere Unternehmen, die sich am Handel mit Emissionszertifikaten beteiligten. Diese ermöglichen ihren Inhabern den Ausstoß bestimmter Mengen an Kohlendioxid. Internetbetrüger lockten die Opfer auf gefälschte Websites und spähten wichtige Passwörter aus. Mit den Daten erbeuteten sie im Januar insgesamt 3,2 Millionen (Mio.) Euro durch den Diebstahl und Verkauf zehntausender Verschmutzungsrechte. Nun bereiten die Geschädigten eine Schadensersatzklage gegen das Umweltbundesamt vor. Der Vorwurf: Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen hätten den Handel mit den gestohlenen Klimapapieren erst ermöglicht, berichtet die "Financial Times Deutschland".
"Jede Stadtsparkasse nutzt bessere Technik"
Jede Stadtsparkasse nutze bessere Sicherheitstechniken, als die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) des Umweltbundesamtes, lautet einer der Vorwürfe vonseiten von Thomas Katzenmayer, Chef eines mittelständischen Papierproduzenten aus Niedersachsen. Die Sicherheitsstandards seien zu lasch, so der Unternehmer. "Wir werden diesen Vermögensverlust nicht einfach hinnehmen. Das können wir uns als mittelständisches Unternehmen nicht leisten", betonte Katzenmayer. Sein Schaden durch verlorene Zertifikate betrage 1,2 Mio. Euro. Mit Hilfe einer Rechtsanwaltskanzlei soll nun ein Schadensersatzprozess vor dem Landgericht Berlin starten und zumindest einen Teil der Summe wieder zurückholen.
Auch andere Opfer wollen gegen die Behörde klagen. Diese arbeite daher fieberhaft an einer Abwehrstrategie, so die "FTD". Ein Rechtsgutachten solle unter anderem die Haftungsfrage für das Bundesamt bewerten. Auch sei bislang unklar, ob eine Rückabwicklung der betrügerischen Transaktionen beim Uno-Klimasekretariat erwirkt werden könne oder sogar eine Verpflichtung dazu bestehe. Da die Ergebnisse für eine gerichtliche Verwendung vorgesehen seien, hofften die Verantwortlichen auf eine zügige Klärung der strittigen Fragen, berichtet die Zeitung. Innerhalb von 2 Wochen nach Beauftragung des Gutachtens sollen demnach möglichst alle Punkte abgearbeitet sein. Es drohe ein Eilverfahren.
Neue Sicherheitstechniken im Herbst
Prinzip des Emissionshandels. Grafik: Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt
Im Herbst wolle das Umweltbundesamt zudem neue Sicherheitstechniken einführen, so eine Behördensprecherin laut "FTD". Der neue digitale Personalausweis werde dann in Kombination mit einem speziellen Lesegerät zur Identifikation von Rechteinhabern eingesetzt, wenn diese am Handel teilnehmen wollen. Das bisherige Prozedere verzichtet auf eindeutige Nachweise und ermöglicht so auch den Absatz von Hehlerware.
Mittlerweile seien viele der Zertifikate aber auf Konten deutscher Banken wieder aufgetaucht, die mit Klimarechten handelten, schreibt das Blatt. Dennoch gebe es aufgrund unterschiedlicher Reaktionen erhebliche Probleme bei der Rückabwicklung der Geschäfte. So verhielten sich etwa zwei Geldhäuser kooperativ und seien zur Abgabe von 12.000 Papieren mit einem Stückpreis von 15 Euro bereit gewesen. Eine deutsche Großbank hingegen verweigere die Rückgabe von weiteren 76.000 Emissionsrechten bislang vehement.
Mehr zur Phishing-Problematik findet sich in unserem Ratgeber zum Thema.