Beim aktuellen Standard für die terrestrische Verbreitung von digitalen TV-Signalen DVB-T sind maximal vier Programme auf einer Frequenz realisierbar. Beim bereits seit drei Jahren in der Weiterentwicklung steckenden neuen DVB-T2 könnte hingegen mit bis zu sieben TV-Sendern sowie zusätzlichen Datendiensten und Hörfunkangeboten die zur Verfügung stehende Bandbreite besser genutzt werden. In Berlin wurde jetzt erfolgreich die erstmalige Live-Ausstrahlung von DVB-T2-Signalen im MPLP-Modus getestet.
Flexiblere Nutzung der Bandbreite
Der Rundfunk- und Mediendienstleister Media Broadcast hat ein sogenanntes "Plugfest" des DVB Projekts ausgerichtet. Neun Unternehmen aus Europa und Asien bauten in den Labors des Unternehmens ihr Equipment auf, um die neuen Möglichkeiten des Übertragungsstandards im MPLP-Modus unter realen Bedingungen an ihren Geräten zu testen. MPLP steht für Multiple Physical Layer Pipe und ermöglicht eine effizientere und flexible Nutzung der zur Verfügung stehenden Übertragungskapazitäten. Diese mache DVB-T2 für Inhalteanbieter attraktiver.
Die beteiligten Unternehmen überprüften zudem die Kompatibilität der Technik mit anderen Komponenten der Signalkette. Obwohl einige dieser Firmen zueinander im Wettbewerb stehen, habe laut Media Broadcast eine offene Atmosphäre geherrscht. Am Ende der drei Testtage seien alle Firmen zufrieden mit den erreichten Ergebnissen gewesen und die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die weitere Entwicklung der Geräte ein.
Vier TV-Programme als Testsignal
Für die Live-Übertragung hatte Media Broadcast entsprechende Testsignale bereitgestellt. Insgesamt waren die vier TV-Programme ARD, ZDF, RBB und ProSieben in einem MPLP-Multiplex auf Sendung. Eines der Signale hatte HD-Qualität und eine Bandbreite von rund 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Es war für den stationären Empfang optimiert, die anderen drei SD-Signale mit jeweils rund 3 Mbit/s für den portablen Indoor-Empfang.
Mit den aktuellen Test sei die komplette Verifikation des DVB-T2 Standards wieder ein Stück näher gerückt. Über eine Einführung des Standards gibt es allerdings noch keine Einigkeit.
Michael Posdziech