Technische Hilfsmittel im Fußball? Was in der Bundesliga abgelehnt wird, steht auch beim internationalen Fußballverband FIFA auf dem Index und kommt somit bei Wettbewerben wie der nahenden Weltmeisterschaft nicht zum Einsatz. Ein Chip im Ball oder Torkameras haben schon mehrfach die rote Karte gesehen, obwohl sie von diversen Experten als technisch ausgereift eingestuft werden. Dementsprechend wird es auch in Zukunft weiter strittige Torszenen geben. Genau die seien auch "das Schöne an diesem Sport", sagte Jonathan Ford vom walisischen Verband im März dieses Jahres. Viele Fans sehen das aber anders, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom ergab.
Eishockey und Tennis machen vor, was möglich wäre
Demnach würden es 70 Prozent der Fußballinteressierten begrüßen, wenn technische Hilfsmittel bei Fußballspielen zum Einsatz kämen, um Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns zu korrigieren. Dass genau das durchaus auch für Spannung und knisternde Atmosphäre im Stadion sorgen kann, zeigen die regelmäßigen Videobeweise bei Eishockeyspielen oder die Hawk-Eye-Entscheidungen im Tennis. Wichtig ist vielen Fußballfans aber auch, dass eine technische Unterstützung nur dann zum Einsatz kommt wenn es um die Frage geht: Tor oder kein Tor, berichtet der Bitkom weiter. Überraschende Unterschiede gibt es dabei zwischen der jüngsten und der ältesten Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung. Während 42 Prozent der ansonsten häufig technikaffinen Teenager (14 bis 19 Jahre) technische Hilfsmittel im Fußball ablehnen, tun dies nur 15 Prozent der über 60-Jährigen.
Schiedsrichter sollten unterstützt werden
"Moderne Technologien können Fehlentscheidungen begrenzen und so für mehr Gerechtigkeit im Fußball sorgen", glaubt auch Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. "Niemand kann seine Augen immer überall haben. Schiedsrichter nur mit Trillerpfeife und Stoppuhr auszustatten, wird modernem Fußball nicht länger gerecht. Die Schiedsrichter sollten durch zeitgemäße Technologien unterstützt werden.“ Ein Chip könnte dem Referee signalisieren, wenn der Ball die Torlinie in vollem Umfang überquert hat. Dazu sendet ein in den Ball integrierter Sender Signale aus, die von Empfängern im Stadion empfangen werden. Die Signale erreichen über Glasfaserkabel den Auswertungscomputer, der daraus permanent die Position des Balls errechnet - und das zentimetergenau. Diese Daten wiederum werden dem Unparteiischen auf einem Empfänger am Handgelenk gesendet.
Ein Videobeweis wäre noch vielseitiger einsetzbar. Er kann praktisch jede Schiedsrichter-Entscheidung beeinflussen. Die Kameras der übertragenden Fernsehanstalten liefern das notwendige Material schon heute, genutzt wird dieses Potenzial bis heute aber nicht.
Hayo Lücke