Das Highspeed-Netz der Deutschen Telekom umfasst inzwischen über 50 Städte, in denen VDSL angeboten werden kann. In erster Linie ist aber nur in Großstädten T-Home VDSL verfügbar. Die Telekom will aber auch kleinere Städte mit dem Turbo-Internet versorgen. Am vergangenen Freitag startete sie laut eines Berichts der "Halberstädter Volksstimme" ein Pilotprojekt in Halberstadt in Sachsen-Anhalt.
Erst Vermarktung, dann VDSL-Ausbau
Halberstadt zählt nur rund 40.000 Einwohner. Die Telekom will hier nicht blind Glasfaserleitungen verlegen, sondern fragt zunächst das Interesse der dortigen Bevölkerung ab. Ein Telekom-Sprecher erläuterte gegenüber onlinekosten.de, dass der Bonner Konzern in Halberstadt erstmals nach dem sogenannten "Holländischen Modell" vorgehe. In den Niederlanden ist es üblich, dass dort erst Produkte vermarktet werden, und die Provider erst dann schauen, ob genug Nachfrage für einen wirtschaftlichen Ausbau vorhanden ist. In Halberstadt soll nun getestet werden, ob sich dieses Vermarktungsmodell auch in Deutschland bewährt. Bis zum 15. August haben die Halberstädter Zeit, um einen Vorvertrag mit der Telekom abzuschließen. Werden mindestens 1.000 solcher Verträge unterzeichnet, kann der Glasfaserausbau beginnen. Ansonsten ist der Vertrag automatisch nichtig. Am Montagnachmittag, nur wenige Tage nach dem Vermarktungsstart, hatten bereits 90 Einwohner entsprechende Vorverträge unterschrieben. Der Telekom-Sprecher zeigte sich "sehr zuversichtlich", dass der VDSL-Ausbau in Halberstadt auf ausreichende Nachfrage stoßen werde.
Bonus: 60 Euro für die ersten 1.000 VDSL-Kunden
Die ersten 1.000 Kunden belohnt die Telekom zudem mit einem Bonus in Höhe von 60 Euro Startguthaben. Außerdem erhalten Neukunden die VDSL-Tarife in Halberstadt mit einem monatlichen Rabatt von 5 Euro. In den VDSL-Ausbau wird die Telekom bei ausreichender Nachfrage dann rund 2,5 bis 3 Millionen Euro investieren. Die Bauarbeiten zur Errichtung des VDSL-Netzes sollen sechs Monate dauern. Halberstadt war als Sieger aus einem bundesweiten Auswahlverfahren hervorgegangen, zuletzt hatten 30 Orte miteinander konkurriert. Den Ausschlag zur Wahl von Halberstadt hatten nach Angaben der Telekom die dortigen guten technischen Voraussetzungen gegeben. Für den Ausbau des Glasfasernetzes fallen kaum Tiefbauarbeiten an, da in der Stadt ausreichend Leerrohre liegen. Die Gemeinde wird laut Telekom-Sprecher in diesem Jahr allerdings die einzige Kleinstadt sein, die der Bonner Konzern mit Hochgeschwindigkeits-Internet versorgt. Bis 2014 hat die Telekom bundesweit Investitionen von rund zehn Milliarden Euro für ein leistungsfähigeres Breitbandnetz vorgesehen.
VDSL für Halberstadt: Kurz nach dem Vermarktungsstart haben sich schon 89 Interessenten bei der Telekom gemeldet.
Screenshot: onlinekosten.de
VDSL für die Provinz auch bei der Telekom-Konkurrenz
Auch die Wettbewerber der Telekom schlafen nicht und bringen eigene VDSL-Projekte voran - auch in der Provinz. Der regionale Telekommunikationsanbieters EWE TEL kündigte im Frühjahr an, "weiße Flecken" in Norddeutschland mit VDSL zu erschließen. Der Provider DNS:NET startete im März mit VDSL in Brandenburg und auch der Münchener DSL-Anbieter M-net bringt VDSL in kleine Gemeinden.