Das Medienhaus Axel Springer ("Bild", "Die Welt") treibt mit dem Verkaufsbeginn des iPad in Deutschland an diesem Freitag die Suche nach neuen Erlösquellen im Internet voran. Die kostenpflichtigen Applikationen der Zeitung "Die Welt" und des Lifestyle-Magazins "The Iconist" seien ab sofort im deutschen Kiosk von Apple im Angebot, sagte Romanus Otte, bei der "Welt"-Gruppe für die Internet-Entwicklung zuständig, am Donnerstag in Berlin.
Bereits 20 Prozent Umsatz aus Internetdiensten
Gleichzeitig startet in den nächsten Tagen das überarbeitete Nachrichtenportal von "Welt Online". Dabei sollen die Artikel optisch besser lesbar sein, die Werbung ein besseres Umfeld bekommen. Europas größtes Zeitungshaus erwirtschaftet rund 20 Prozent des Umsatzes aus Internet-Erlösen. "Wir verstärken die Entwicklung kostenpflichtiger Produkte sowie kostenfreier, reichweitenstarker Plattformen", sagte Otte. Mit dem frühen Start auf dem iPad wolle Axel Springer von Beginn an die Nutzer in die Weiterentwicklung der Applikationen einbeziehen. Die "Bild"-Zeitung will zu einem späteren Zeitpunkt ein eigenes iPad-Angebot in den Apple-Kiosk bringen.
175.000 iPhone-Apps verkauft
Bereits mit den iPhone-Apps von "Bild" und "Welt", die bisher 175.000 Mal verkauft wurden, habe Axel Springer gute Erfahrungen gemacht. Nach internen Schätzungen werde der iPad-Absatz in Deutschland allerdings noch lange hinter den Zeitungsauflagen bleiben.
Das "Welt"-App für das iPad richtet sich nach dem Prinzip der gedruckten Zeitung. Mit einem Handstreich über die Benutzeroberfläche können die Leser in der Zeitung blättern. Nach einer kostenfreien Einführungsphase von 30 Tagen müssen sie für die "Welt"-App 11,99 Euro im Monat zahlen. "The Iconist" erscheint zunächst einmal im Quartal für jeweils 4,99 Euro.
Anders als die gängigen Nachrichtenportale mit einer Aktualisierung rund um die Uhr wird die "Welt"-Applikation zu festen Zeiten viermal täglich neu veröffentlicht. "Der Grundgedanke lautet: "Die ganze Welt in 100 Geschichten"", sagte Otte. Die Ressorts "Weltreporter" und "Geschichte" seien exklusiv für iPhone und iPad entwickelt und in der gedruckten "Welt" nicht zu finden.
Update 12:00 Uhr - iPad-App auch vom Spiegel
Eine eigene iPad-App wird es darüber hinaus auch vom Hamburger Spiegel-Verlag für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geben. Die im Verlag erstellte Version präsentiere den vollständigen Inhalt des Heftes in einer neuartigen Optik, erweitert durch verschiedene multimediale Inhalte wie Video-Dokumentationen und Foren. Die aktuelle "Spiegel"-Ausgabe könne mit der Applikation am Samstagabend von 22 Uhr an über WLAN oder UMTS in weniger als einer Minute auf das iPad geladen werden. Der einmalige Bezug kostet 3,99 Euro, das Probe-Abonnement für elf Ausgaben 29 Euro. Das reguläre Abonnement werde wie der Printtitel 3,65 Euro pro Ausgabe kosten.