Was in anderen europäischen Ländern bislang nur theoretisch debattiert wird, ist in Irland ab sofort Wirklichkeit. Der mit rund 40 Prozent Marktanteil größte Internetanbieter des Landes, Eircom, hat damit begonnen, Warnbriefe an Nutzer zu versenden, die zuvor bei illegalen Filesharing-Aktivitäten aufgezeichnet wurden und sperrt in Extremfällen den kompletten Internetzugang. Wie bei der mittlerweile gekippten Vorratsdatenspeicherung in Deutschland liegt die Initiative dabei allerdings weniger auf Seiten des Providers. Vielmehr muss sich dieser einem Gerichtsurteil beugen, das auf Initiative der Musikindustrie zustande kam, das berichtet die britische BBC online.
Tausende IP-Adressen werden ausgewertet
Geklagt hatte der irische Musikverband Irish Recorded Music Association (Irma), dem unter anderem die Labels EMI, Sony, Universal and Warner angehören, bereits im Januar 2009. Eircom weigerte sich zwar zunächst, die Daten seiner Nutzer preiszugeben. Das höchste Gericht des Landes gab dem Ansinnen der Urheberrechtsschützer jedoch statt - auch die zwischenzeitliche Intervention des irischen Datenschutzbeauftragten wurde abgeschmettert. In der Folge hat die Irma daher damit begonnen, "tausende IP-Adressen" an Eircom zu übermitteln, deren Ursprünge geklärt werden sollen, so die BBC. Pro Woche würden rund 50 Fälle von einer neu gegründeten Abteilung bearbeitet.
Die vorgesehenen Sanktionen für identifizierte Filesharer bemessen sich anhand der tatsächlich registrierten Urheberrechtsverstöße. Hauptziel des zur Netzüberwachung beauftragten Unternehmens Dtecnet sind Nutzer, die nicht nur geschütztes Material herunterladen, sondern auch selbst anbieten. Wer erwischt wird, erhält zu Beginn eine schriftliche Warnung, die von einem Telefonanruf flankiert wird. Auch ein Pop-Up-Fenster soll auf dem PC der Betroffenen erscheinen. Werden bei einem Anschlussinhaber insgesamt drei Verstöße festgestellt, blockiert Eircom den Internetzugang für eine Woche. Der vierte Verstoß zieht laut BBC sogar eine Jahressperre nach sich.
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Die Musikindustrie hofft auf europaweite Regelungen