Ach, da war ja was: Nach anfänglich schleppendem Schlagabtausch und anschließend schnell steigenden Höchstgeboten schienen die deutschen Mobilfunkunternehmen ihre Maximalofferten für die Frequenzen im 800-Megahertz-Bereich (MHz) endgültig ausgereizt zu haben. Bis auf kleine Scharmützel um einige weniger bedeutende Frequenzpakete waren die Fronten nach dem Überschreiten der dritten Euro-Milliarde offenbar geklärt. Dann kam Runde 199 am 24. Versteigerungstag und o2 ging erneut überraschend in die Offensive. Eine neue Gebotswelle sorgte in der Folge dafür, dass die 4-Milliarden-Grenze gefallen ist und mit eiligen Schritten bereits 4,5 Milliarden (Mrd.) Euro angepeilt werden. Möglicher Verlierer der Entwicklung: E-Plus.
Status: 1 Milliarde Euro in 3 Tagen
Bis zu Runde 199 hatte sich o2 lediglich ein Frequenzpaket mit 800 MHz sichern können – das war den Konzernoberen der Telefónica-Tochter allerdings allem Anschein nach zu wenig. Mehr als 20 Runden und 2 Tage später liegt über 1 Milliarde Euro mehr auf dem Tisch der Bundesnetzagentur – Ende noch offen. Der große Verlierer der Entwicklung könnte E-Plus werden. So verloren die Düsseldorfer in Runde 220 ihr einziges Frequenzbündel im begehrtesten LTE-Bereich.
Auch am frühen Donnerstagnachmittag (Runde 223) besetzen T-Mobile, Vodafone und o2 jeweils zwei der insgesamt sechs 800-MHz-Pakete. Mindestens 571 Millionen Euro sind zudem derzeit notwendig, um ein Frequenzbündel zu reservieren. E-Plus hatte bislang auf das einzige Paket geboten, welches konkrete und damit bereits festgelegte Frequenzen beinhaltet. Diese gelten im Vergleich als weniger attraktiv. Alle sonstigen 800-MHz-Blöcke bestehen aus sogenannten abstrakten Frequenzen, die erst nach der Auktion verteilt werden. Bis es aber soweit ist, wird die Spannung vermutlich noch ein wenig anhalten. Momentan beträgt die Gesamtanzahl aller Höchstgebote des 27. Versteigerungstages rund 4,4 Mrd. Euro.
Update 17:30 Uhr - Auktion wurde beendet
Inzwischen ist die Auktion überraschend beendet worden. Wie befürchtet ist E-Plus im Bereich der Digitalen Dividende nicht zum Zuge gekommen.
Christian Wolf