Der Ruf des Online-Netzwerks Facebook hat arg gelitten: Nach mehreren Änderungen beim Datenschutz trauen viele Nutzer dem Marktführer nicht mehr über den Weg. Nun plant das Unternehmen offenbar einen Schritt zurück.
Datenverwendung intransparent
Claudia gefällt's nicht mehr bei Facebook. Die IT-Beraterin ist verunsichert von den wechselnden Datenschutzbestimmungen und denkt über einen Ausstieg nach. "Du weißt einfach nicht, was die wissen und wofür es verwendet wird", sagt die 31-Jährige, "die ganze Sache ist sehr intransparent".
Vielen Nutzern geht es derzeit ähnlich. Facebook hat wegen seiner Regeln zur Privatsphäre schon seit Jahren Ärger, in jüngster Zeit ist die Kritik am Online-Giganten aber immer lauter geworden - selbst in den USA, wo Datenschutz traditionell eine geringere Rolle spielt als in Europa. Denn mehrere Änderungen aus den vergangenen Monaten sorgen dafür, dass die einst privat anmutende Plattform immer öffentlicher wird.
Personalisierte Werbung braucht Nutzerdaten
Der Druck wächst. Die Mitgliederzahlen brechen zwar nicht ein. Mehr als 400 Millionen Nutzer zählt Facebook, die 500-Millionen-Marke dürfte nicht weit entfernt sein. Doch: Gibt man im Suchfenster von Google "Facebook" ein, schlägt die Suchmaschine als Vervollständigung unter anderem "Facebook Account löschen" vor - das heißt, schon einige andere haben sich dafür interessiert.
Facebook steckt in einem Zwiespalt: Zum einen darf das Unternehmen seine Mitglieder nicht vergraulen. Zum anderen muss es aber die Investitionen von rund 740 Millionen Dollar rechtfertigen und bald Gewinne abwerfen. Personalisierte Werbung gilt hier als Königsweg. Ohne Nutzerdaten geht das nicht.
Änderungen könnten bald folgen
Das "Wall Street Journal" berichtet nun, dass von Firmenchef Mark Zuckerberg auch in den eigenen Reihen gefordert werde, den Nutzern wieder mehr Kontrolle zu geben. Änderungen könnten schon bald erfolgen.
Einige Wettbewerber wollen von den schlechten Schlagzeilen des Marktführers profitieren: In Deutschland trommeln die VZ-Netzwerke für ihre angeblich strikteren und besseren Datenschutzregeln. Auch US-Rivale MySpace kündigte jüngst Verbesserungen an.