Mittwoch, 12.05.2010 12:15

Facebook: Gegenwind auch in der "Heimat"

aus dem Bereich Computer

Dass die deutschen Datenschützer nicht zögern, gegen offenherzige Internet-Anwendungen wie Googles Street View und soziale Netzwerke zu Felde zu ziehen, ist bekannt. Jenseits des Großen Teiches schien die Internet-Fangemeinde das Messerwetzen hierzulande mit einem gelangweilten Schulterzucken zu beobachten. Doch inzwischen kommt auch in die US-amerikanische Nutzergemeinde Bewegung.

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Profileinstellung sorgt für Ärger

Im Visier: das früher so erfolgsverwöhnte Netzwerk Facebook. Die komplizierten Profileinstellungen verärgern die Fan-Gemeinde: Wer beispielsweise seine persönlichen Daten vor Unbekannten schützen will, muss erst einen umständlichen Zickzack-Kurs durch die Einstellungen absolvieren.

Wie "Welt Online" berichtet, haben sich in einer Studie der Universitäten Berkeley und Pennsylvania 86 Prozent der befragten 1.000 Amerikaner für ein Recht am eigenen Bild und an ihren Postings stark gemacht.

Facebook streut Salz in die Wunden

Statt mehr Datenschutz zu gewährleisten, streut das Team um Markus Zuckerberg weiter Salz in die Wunden. Erst im April wurde die verstärkte Kommunikation mit anderen Netzwerken mittels Open Graph-Protokoll als bahnbrechende Neuerung aus der Taufe gehoben. Dass dafür die Datensicherheit bluten könnte, blieb ebenso unerwähnt wie die Kritik der deutschen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, der Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest.

Der Gegenwind im Stammgebiet USA macht die Betreiber nun doch ein wenig nervös. Erst kürzlich haben nach "Welt Online" 15 Verbraucherorganisationen eine Sammelklage bei der Federal Trade Commission (FTC) in Washington eingereicht.

Gläserne Nutzer durch "Gefällt mir"-Option

Facebook steht im Verdacht, die Datenschutz-Bedürfnisse der Nutzer auf dem Altar der Wirtschaftsinteressen zu opfern. Denn je mehr Nutzer öffentlich vom "Gefällt mir"-Knopf Gebrauch machen und ihre Vorlieben offen präsentieren, desto leichter können Unternehmen Nutzerprofile für potentielle Kunden erstellen.

Offenbar werkelt das Netzwerk an seinem Verteidigungsbollwerk. Dass Facebook den US-amerikanischen FTC-nahen Verbraucherschutzexperten Tim Muris abgeworben haben soll, wurde allerdings inzwischen wieder dementiert.

VZ-Netzerke erhielten "ausreichend"

Der Fairness halber sei erwähnt, dass die Datenschutz-Vorwürfe hierzulande nicht nur auf Facebook beschränkt sind. Die Verbraucherzentralen gehen auch mit Jappy, wer-kennt-wen.de, und Stayfriends hart ins Gericht. SchülerVZ, studiVZ (VZ-Netzwerke ) und die Lokalisten schnitten mit "ausreichend" ab.

Kritik, die offenbar auf fruchtbaren Boden fällt. Nach Angaben der Macher der VZ-Netzwerke schränken immer mehr Mitglieder die Sichtbarkeit ihrer Profile ein. "Rund 7,0 von 16,6 Millionen VZ- Nutzern haben ihr komplettes Profil ausschließlich für ihre Freunde freigegeben - Tendenz stetig steigend", so Sprecher Dirk Hensen.

Dorothee Monreal
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