Ende Februar kündigte das Bundeskartellamt an, eine Untersuchung gegen eBay wegen des neu eingeführten PayPal-Zwangs für Verkäufer mit weniger als 50 Bewertungspunkten einzuleiten. Kritiker hatten sich unter anderem beschwert, eBay nutze seine Marktmacht aus. Nun wurde die entsprechende Prüfung abgeschlossen. Ergebnis: Das Auktionshaus darf Kleinverkäufer vorerst dazu zwingen, den konzerneigenen Bezahldienst einzusetzen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Freitag. Ob eBay eine marktbeherrschende Stellung innehabe, werde allerdings noch geklärt.
Kein Anlass zur formellen Prüfung
Erwartungsgemäß begrüßte eBay die Entscheidung der Wettbewerbshüter. Das Bundeskartellamt erkenne damit an, dass die Nutzer von der PayPal-Regelung profitierten, sagte Stephan Zoll, Geschäftsführer von eBay Deutschland, der Zeitung. Das Kartellamt hatte zuvor mitgeteilt, es sehe bei Abwägung der Vor- und Nachteile einer Nutzung derzeit keinen Anlass, die PayPal-Pflicht einer formellen Prüfung zu unterziehen.
Es gebe "gewichtige Hinweise" darauf, dass bei den neuen Richtlinien ein deutlicher Verbrauchernutzen vorliege, so ein Sprecher der Behörde gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Das bedeutet jedoch nicht, dass wir eindeutig festgestellt hätten, dass eBay keine marktbeherrschende Stellung hat", hieß es laut "FAZ" weiter. Eine abschließende Entscheidung hierzu stehe noch aus, eBay hätte somit keinesfalls einen "Freibrief" erhalten.
PayPal: Das offizielle Zahlungsmittel einer neuen Verkäufer-Generation bei eBay. Screenshot: onlinekosten.de
PayPal: Gebührenkritik und Käuferschutz
Für viele Mitglieder des Auktionshauses ist der vorläufig genehmigte PayPal-Zwang dennoch ein teures Ärgernis. Mindestens 1,9 Prozent des Kaufpreises werden für Verkäufer an Gebühren fällig, wenn Zahlungen über den Finanzdienst abgewickelt werden. Zudem stand PayPal in der Vergangenheit immer wieder aufgrund unzureichender Datenschutzrichtlinien, mangelnder Sicherheitsüberprüfungen und zahlreicher Ausnahmeregelungen in seinen Geschäftsbedingungen in der Kritik.
Bei eBay sind solche Bedenken unterdessen kein Thema. Der Dienst mache das Bezahlen deutlich sicherer, da PayPal als Zwischeninstanz fungiere, so eBay-Chef Zoll gegenüber der "FAZ". Die Käufer könnten sich zusätzlich absichern, da sie automatisch über die volle Summe des Kaufpreises geschützt seien, wenn der Artikel nicht geliefert werde oder nicht der Beschreibung entspreche.