Freitag, 23.04.2010 14:46

Facebook-Gau: 1,5 Millionen Nutzerkonten gehackt

aus dem Bereich Sonstiges

Die Vergangenheit hat es schon oft gezeigt: Für die Macher des sozialen Netzwerks Facebook spielt Datenschutz nur eine sekundäre Rolle. Der Fokus von Zuckerberg & Co. liegt vielmehr auf der unbegrenzten Aggregation und Bündelung möglichst vieler Nutzerdaten. Mit dem neuen "Open Graph"-Protokoll soll die Durchdringung des Internets zudem noch perfekter werden. Die Kehrseite der schönen neuen Webwelt kommt hingegen immer erst dann zum Vorschein, wenn es Kriminellen gelingt, Profit daraus zu schlagen. Jüngster Fall: Einem Hacker namens Kirllos ist es offenbar gelungen, 1,5 Millionen Nutzerkonten von Facebook zu knacken. Nun verkauft er die Daten des Coups im Internet, so das IT-Magazin "Computerworld" unter Berufung auf das Sicherheitsunternehmen VeriSign.

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1.000 Profile für 25 bis 45 US-Dollar

Für einzelne Accounts verlangt der Unbekannte 0,025 US-Cent (rund 0,02 Euro-Cent). Im Paket kosten 1.000 Profile zwischen 25 und 45 US-Dollar (rund 19 bis 34 Euro) – abhängig davon, über wie viele weitere Kontakte die einzelnen Nutzer verfügen. Angeboten werden unter anderem die Facebook-Nutzernamen sowie Zugangspasswörter. Laut "Computerworld" ist allerdings bislang unklar, ob Kirllos wirklich über reale Daten verfügt und welche Profile betroffen sind. Facebook habe auf entsprechende Anfragen nicht reagiert. Im schlimmsten Fall verfüge der Hacker jedoch über die Informationen von jedem 300. Facebook-Mitglied.

Fast die Hälfte der gehackten Facebook-Konten sei mit knapp 700.000 Stück bereits verkauft, so VeriSign-Mitarbeiter Rick Howard gegenüber "Computerworld". Die Käufer kommen möglicherweise aus der kriminellen Spam-Szene. Denkbar sind etwa großangelegte Phishing-Attacken, bei denen ein Link an alle Kontakte eines Profils versendet wird. Wer darauf klickt, landet auf einer präparierten Website - randvoll mit Schadsoftware. "Die Nutzer werden dem Link aber vermutlich folgen, denn sie glauben ja, dass er von einem Freund kommt", so Randy Abrams, Sicherheitsexperte des Antivirenspezialisten Eset.

Ist die Malware dann erst einmal auf den Computer gelangt, stehen den Cyberbetrügern fast alle Tore offen – von Passwort-Diebstahl über Spam-Attacken bis hin zu einer Fernsteuerung über Bot-Netze ist alles möglich. "Es gibt Unmengen von Dingen, die diese Leute tun können, wenn die Nutzer auf ihre Tricks hereinfallen", so Abrams. Vorsicht ist also geboten.

Update, 26. April:

Möglicherweise sind zumindest Teile der angeblich gehackten Facebook-Profile nicht existent oder wurden extra im Vorfeld für einen späteren Verkauf erstellt. So berichtet das Technologie-Blog MerryCode, durch den Hacker als Kostproben veröffentlichte Zugangsdaten hätten entweder nicht funktioniert oder auf gefälschte sowie durch Bots automatisch generierte Accounts geführt.

Laut dem Blog seien viele Profile unvollständig, verfügten nur über sehr wenige Kontakte oder fielen durch unrealistische Nutzeraktivitäten auf. Es sei daher naheliegend, dass die Konten nur zu Spam-Zwecken erstellt worden sind. Grundsätzlich bleibt dennoch weiterhin unklar, ob es sich wirklich ausschließlich um Fake-Profile handelt. Eine offizielle Stellungnahme von Facebook gibt es bisher nicht.

Christian Wolf
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