Der Vulkanausbruch in Island hat innerhalb von wenigen Tagen eine Vielzahl gewohnter Abläufe durcheinander gebracht. Auch Geschäftsreisende mussten vielfach auf Termine verzichten. Allerdings konnten einige Treffen durch Videokonferenzen ersetzt werden – ein Modell, das auch in Zukunft Schule machen sollte, so der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM).
Ansturm auf Videoübertragungen
Demnach verzeichneten die Anbieter von Videokonferenzen derzeit einen wahren Nachfrageansturm, der durch eine Reihe von Sonderaktionen begleitet werde. Konkrete Zahlen veröffentlichte am Freitag etwa der luxemburgische Anbieter Regus. Demnach stieg die Nachfrage nach Video-Meetings zu Beginn des Flugverbotes in Deutschland an nur einem Tag um 12 Prozent. In Großbritannien gingen sogar 38 Prozent mehr Buchungsanfragen ein.
Auch künftig könnten Reisekosten eingespart werden, wenn verstärkt auf die Videoübertragung gesetzt würde, so der BITKOM. Die Qualität der Konferenzsysteme habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, so der Branchenverband. Dank schnellerer Bandbreiten seien auch Bilder in HD-Qualität und ohne Verzögerungen möglich. Bislang seien Videokonferenzen allerdings oftmals nur ein Ausweichmittel und in den seltensten Fällen Standard. Insbesondere im Mittelstand fänden sie noch kaum Anwendung.
Kosten reduzieren, Umwelt schonen
„Hier werden Chancen verpasst, auf die wir anlässlich der aktuellen Einschränkungen im Luftverkehr aufmerksam machen möchten“, so BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer. Videokonferenzen sollten auch unabhängig von der aktuellen Notsituation ein grundsätzlicher Standard für die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Unternehmen werden, sagte Scheer. Je nach Unternehmensgröße gäbe es eine Reihe passender Lösungen – von fest installierten Räumen bis zur einfachen Webcam am PC.
Für die Unternehmen bedeute der verstärkte Einsatz von Internetübertragungen zudem eine immense Kostenersparnis und für die Umwelt eine Reduktion an Schadstoffen, so der BITKOM. Würde etwa jede zweite Geschäftsreise in Europa ersetzt, entspräche die CO2-Einsparung nahezu dem Jahresausstoß aller PKW in Deutschland, teilte der Verband unter Berufung auf die Umweltorganisation WWF mit.