Deutschland ist Europameister – allerdings nicht in einer populären Ballsportart, sondern bei der Verbreitung von Schadsoftware. Nirgends auf dem Kontinent wird mehr Malware ausgestreut als in hiesigen Breiten, berichtet der Sicherheitsspezialist Symantec in der neuesten Ausgabe seines Internet Security Threat Reports. Zudem nehmen gezielte professionelle Angriffe durch Online-Kriminelle immer mehr zu. Insbesondere Unternehmen stehen dabei im Fadenkreuz der Cyberattacken, die 2009 insgesamt einen neuen historischen Höchststand erreichten. Hauptangriffsziele: PDF-Viewer. Aber auch Webbrowser und Plug-ins waren beliebte Einfallstore. Sicherster Browser 2009: Opera. Mozillas Firefox zeigte sich hingegen als besonders anfällig.
12 Prozent des EU-Schadcodes aus Deutschland
Allein 12 Prozent der europäischen Schadcode-Aktivitäten des Vorjahres stammten aus Deutschland, so Symantec. Weltweit waren es immerhin noch 5 Prozent. Trojaner stellten dabei mit 59 Prozent die Mehrheit, gefolgt von Würmern mit 22 Prozent, Backdoor-Programmen mit 11 Prozent und Viren mit lediglich 7 Prozent. Zudem tauchten deutsche Computer im europäischen Vergleich mit 14 Prozent am häufigsten in fremdgesteuerten Bot-Netzen auf. Global gesehen waren immerhin noch 7 Prozent aller Bot-Rechner deutschen Ursprungs.
"Erschreckend ist auch, dass die sogenannten Botnetze 2009 hierzulande den meisten Zulauf hatten: In puncto Botnetz-Aktivität hat Deutschland mit jedem siebten Bot-infizierten Computer den Vorjahres-Ersten Spanien überholt", sagte Candid Wüest, Sicherheitsexperte bei Symantec, mit Blick auf die deutsche Bilanz. "Dabei ist in Europa knapp ein Viertel der Server dieser verbrecherischen Netzwerke in der Bundesrepublik angesiedelt."
75 Prozent der Unternehmen Ziele von Bot-Angriffen
Laut Symantec kontrollieren weltweit allein die zehn größten Netzwerke dieser Art mehr als fünf Millionen Computer. Diese werden von ihren "Betreibern" für beliebige Zwecke vermietet. Ab 3 US-Cent pro Gerät lässt sich die Untergrund-Infrastruktur nach Symantec-Angaben nutzen. Häufigstes Einsatzgebiet: die Verbreitung von Spam. Rund 85 Prozent des weltweiten Spam-Aufkommens werden über gekaperte Rechnerverbünde versendet, so der Internet Security Threat Report. Hauptziel der Kriminellen sind vor allem Unternehmen: rund 75 Prozent aller untersuchten Firmen wurden 2009 Ziel einer Bot-gesteuerten Internetattacke.
Mitverantwortlich für den sprunghaften Anstieg solcher Angriffe ist die zunehmende Verbreitung von Baukastensystemen zur Virenprogrammierung. So lasse sich bereits für 700 US-Dollar ein Toolkit erwerben, das eine automatische Generierung von Malware erlaube. Auf diese Weise seien allein im vergangenen Jahr mehrere Millionen neuer Schadcodevarianten entstanden, teilte Symantec mit.
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