95 Prozent aller E-Mails sind Spam. Auch die Nutzer von kostenlosen E-Mail-Diensten können davon ein Lied singen. Zur Flut aus dem Internet gesellen sich noch die Werbemails des eigenen Providers. Schutz bieten Spamfilter – und laut einer Studie des Fraunhofer Instituts die Wahl des richtigen Anbieters. Die Ergebnisse sind aber nach eigenen Angaben des Instituts nicht repräsentativ.
Momentaufnahme ohne repräsentative Aussage
Das Fraunhofer Institut für Sichere Kommunikationstechnologie (SIT) hat im Auftrag des Softwarekonzerns Microsoft, selber Anbieter eines Freemail-Dienstes, verschiedene dieser Services in Deutschland untersucht. Dafür legten mehrere Personen für rund vier Wochen im Februar 2010 mehrere E-Mail-Konten an, veröffentlichten einige im Netz auf Webportalen und in Newsgroups und hielten andere geheim.
Das Ergebnis dieser Spam-Studie (PDF) sieht den E-Mail-Dienst von Yahoo! an erster Stelle - dort erhielten die Kunden die wenigsten Werbemails. Direkt auf Platz 2 folgt bereits Microsofts Service Hotmail, vor Google-Mail sowie Web.de und GMX.
Das SIT relativiert die Ergebnisse allerdings als nicht dauerhaft gültige Aussage. Es handele sich mehr um eine Momentaufnahme, da alle Anbieter laufend ihre Abwehrmaßnahmen anpassen. Allein schon unter dieser Prämisse ist das Endergebnis mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen: Demnach erhielten Yahoo!-Nutzer nur acht, Hotmailer 13 Spam-Nachrichten. Weniger gut scheinen hingegen die Freemail-Anbieter der 1&1-Muttergesellschaft United Internet wegzukommen. Bei GMX sollen stolze 116 Spam-Mails, bei Web.de 57 gelandet sein. Davon stammten zudem bei GMX 90 und bei Web.de 36 E-Mails aus der hauseigenen Quelle.
Eine Frage der Definition und der Details
Spam-Studie mit wenig Aussagekraft. Grafik: SIT
Die Aussagekraft dieser Studie relativiert sich allerdings auch schon durch die Definition des Begriffs "Spam". In einer Stellungnahme zu den Ergebnissen weist die Pressestelle von 1&1 darauf hin, dass die mitgezählten Newsletter aus dem eigenen Haus per allgemeiner Definition nicht als Spam zählen. Diese Informationen an die eigenen Nutzer werden zudem gefiltert und können meist auch abbestellt werden.
Weiterhin sei zu beachten, dass deutsche E-Mail-Anbieter gesetzlich verpflichtet sind (elektronische) Post zuzustellen. E-Mails, die das Rechenzentrum erreichen, müssen den Empfängern auch zugestellt werden, während amerikanische Anbieter an dieser Stelle ungefragt löschen könnten. Bis zu einer Milliarde E-Mails am Tag werden bei 1&1 direkt als Spam identifiziert, rund 55 Millionen Nachrichten werden angenommen und zugestellt. Allerdings greifen dann weitere individuelle Filter, die nochmals bis zu 60 Prozent als Spam einordnen und in entsprechende Ordner absortieren. Diese Unterscheidung sei in der Untersuchung nicht getroffen worden. Allerdings findet sich in der Studie die nicht unwichtige Anmerkung: "Es ist jedoch bemerkenswert, dass bei allen Dienstanbietern keine externe Spam-Nachricht in der Inbox gelandet ist."
Ein wichtiges Qualitätsmerkmale eines E-Mail-Services ist laut 1&1 zudem, der Umgang mit sogenannten "False Positives" - Nachrichten, die eigentlich gewollt sind, aber fälschlicherweise als Spam erkannt wurden. Die Leistung der Spam-Filter ist allerdings nicht berücksichtigt worden. Dazu heißt es in der Studie:" Andere wichtige Spam-Eigenschaften wie z. B. die Anzahl der False Positives wurden bei der Untersuchung aus Ressourcengründen nicht betrachtet."
Viel mehr als nur lästig
Spam ist mehr als bloße Belästigung. Unter den unerwünschten Werbemails verbirgt sich Post mit Viren und Trojanern im Schlepptau, die die Computer der Nutzer umfunktionieren oder Passwörter ausspähen. Nach Auskunft des SIT werden sogar Aktienkurse manipuliert, indem Spammer E-Mails mit Kurszielen von entsprechenden Aktien in Umlauf bringen. Mehr über Spam und wie man ihn vermeidet im Ratgeber Computer-Sicherheit von onlinekosten.de.