Wenn am kommenden Montag (12. April) die größte Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen in Deutschland startet, werden alle vier deutschen Mobilfunk-Anbieter bereitstehen, um nach und nach ihre Gebote abzugeben. Entsprechend zählt auch die E-Plus Gruppe dazu, die bisher den Netzausbau für mobile Internetdienste fast sträflich vernachlässigt hat und hinter der Konkurrenz deutlich hinterherhinkt. Abzuwarten bleibt, ob das Team um Unternehmenschef Thorsten Dirks bei der nahenden Auktion erfolgreich sein wird. Denn E-Plus wird am Ende nicht in Alleinregie entscheiden können, welcher Maximalpreis für die begehrten Frequenzen gezahlt wird.
KPN setzt klare Limits
Vielmehr hat der niederländische Mobilfunkkonzern KPN ein wachsames Auge auf seine deutsche Tochter geworfen und am Donnerstag bekannt gegeben, keinesfalls mehr als einen intern bereits festgelegten Preis zu zahlen. Das geht aus einem Positionspapier hervor, dass KPN am Donnerstag veröffentlicht hat. Darin lässt das Unternehmen verlauten, dass es der kosteneffizienteste Weg sei, in Zukunft Frequenzen aus dem Bereich von 800 Megahertz zu nutzen, um die Reichweite von Angeboten für das mobile Internet zu vergrößern. Diese Frequenzen sind bei der Umstellung des Rundfunks auf Digitaltechnik frei geworden. Gleichzeitig machen die Niederländer aber auch deutlich, dass E-Plus nicht jeden Preis zahlen wird, um sich ein Frequenzpaket zu sichern. Eine disziplinierte Herangehensweise werde dafür sorgen, dass man nur bis zu einem bestimmten finanziellen Rahmen um die zur Verfügung stehenden Frequenzen mitbieten werde.
E-Plus-Netz wird auch ohne neue Frequenzen ausgebaut
Denn auch ohne 800-Megahertz-Frequenzen könne das Datennetz des Düsseldorfer Mobilfunknetzbetreibers für die Zukunft fit gemacht und entsprechend ausgebaut werden, um hohe Übertragungsraten in Up- und Downstream zu erreichen. Hierzu wurde bereits Ende vergangenen Jahres eine Partnerschaft mit den Netzwerkausrüster ZTE geschlossen, die nach Unternehmensangaben eine schnelle und günstige Netzaufrüstung mit UMTS- und HSPA-Technik ermöglicht. Deswegen stehe für die E-Plus Gruppe bei der nahenden Mobilfunk-Auktion ein realistisch aufgestellter Business-Plan im Fokus.
Laut KPN-Analysen ist schon ein zusätzlicher Frequenzblock hilfreich, um in Zukunft das Risiko von verstopften Datenleitungen auf ein Minimum zu reduzieren. Aufgrund der hohen Anzahl an verfügbaren Frequenzblöcken geht man aber ohnehin davon aus, eine hochwertige Mischung an Frequenz-Spektren erwerben zu können. Es bleibt abzuwarten, ob diese Vermutung am Ende auch der Realität entsprechen wird.
Hayo Lücke