Während das klassische Festnetz weiterhin Nutzer verliert, basieren immer mehr Telefonanschlüsse auf Voice over IP (VoIP) und realisieren die Übertragung von Sprache via Internet. Zu Jahresbeginn telefonierten bereits 10,3 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig mit einem solchen VoIP-Anschluss - im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 18 Prozent. Das gab der Branchenverband BITKOM auf Basis aktueller Daten der Marktforschungsinitiative European Information Technology Observatory (EITO) bekannt.
Zwölf Millionen VoIP-Nutzer bis 2011
Nach Prognosen der EITO werde die Nutzerzahl bis 2011 auf rund zwölf Millionen steigen. Diese Entwicklung macht sich auch in einem rasanten Anstieg der Gesprächsminuten bemerkbar. So lag das VoIP-Gesprächsvolumen nach Schätzungen der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr bei circa 35 Milliarden Minuten – ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber 2008. Ein Umstieg vom klassischen Festnetz auf VoIP vollzieht sich in der Regel reibungslos und geht meist unmerklich vonstatten. In der Mehrzahl der Fälle wird ein Telefonanschluss mit VoIP-Technologie nach einem Providerwechsel geschaltet. Für den Nutzer bleibt alles in der gewohnten Form. Auch die bisher genutzten Geräte lassen sich oft weiterhin verwenden. Dennoch gibt es auch bei VoIP einige Faktoren, auf die laut BITKOM geachtet werden sollte.
Wer VoIP etwa mit Instant Messengern wie Skype, ICQ sowie Windows Live Messenger am PC nutzen will oder VoIP-Anbieter wie Callavista, sipgate und solomo bevorzugt, benötigt einen schnellen Internetzugang - etwa über DSL, Kabel oder VDSL. Für eine gute Sprachqualität sind Geschwindigkeiten ab 2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ausreichend. Zudem sollte ein Headset vorhanden sein, andernfalls lassen sich herkömmliche Telefone aber per VoIP-Adapter ebenfalls nutzen.
Gespräche ins Ausland bei VoIP-Diensten oft günstiger
Telefonate von PC zu PC innerhalb eines Dienstes sind kostenfrei – lediglich die Installation der entsprechenden VoIP-Software ist bei allen Teilnehmern notwendig. Verfügen die Gesprächspartner über eine Webcam, lassen sich auch Videotelefonate realisieren. Anrufe zu normalen Festnetz- und Mobilfunkanschlüssen sind bei den meisten VoIP-Angeboten gegen Gebühr möglich. Insbesondere Gespräche ins Ausland werden dabei von den VoIP-Anbietern meist zu günstigeren Konditionen abgerechnet, als im Festnetzbereich. Schließt der Kunde einen Vertrag mit einem VoIP-Dienst ab, erhält er zudem eine eigene Telefonnummer mit der Vorwahl 032. Diese ist ortsungebunden und ändert sich auch bei Umzügen nicht.
Anders bei den VoIP-Anschlüssen der Telefonanbieter. Diese verfügen über eine normale Ortsnummer und werden häufig in Kombination mit einem neuen DSL- oder Kabelanschluss geschaltet. Ein Computer oder Headset werden zum Telefonieren nicht benötigt. Die Hardware – häufig ein Kombinationsgerät aus Router, Modem und Telefonanlage – wird in den meisten Fällen durch den Provider kostenfrei oder gegen Entgelt bereitgestellt. Vorhandene Telefone und Faxgeräte lassen sich so wie gewohnt weiter nutzen.