Geht es nach den Vordenkern der IT-Industrie, wird die digitale Vernetzung zukünftig eine immer stärkere Rolle spielen. Eine Vision: das automatisierte Haus mit Kühlschränken, die etwa selbstständig neue Lebensmittel bestellen oder Waschmaschinen, deren Waschprogramm sich vom Büro aus programmieren lässt. Für das Auto sind solche Pläne bereits deutlich weiter. Schon in Kürze soll mobiles Internet hier massenhaft Einzug halten. Die sicherheitstechnische Kehrseite dieser Entwicklung zeigt ein Vorfall aus Austin im US-Bundesstaat Texas. Einem Hobby-Hacker war es nach einem Bericht des US-Online-Magazins Wired bereits Ende Februar gelungen, über 100 vernetzte Autos über das Internet außer Gefecht zu setzen.
Rache für die Kündigung
Zugriff auf die Autos erhielt der 20-jährige Computerfreak über Webteck Plus - ein System, welches sein Ex-Arbeitgeber, das "Texas Auto Center", zur Überwachung der Zahlungsbereitschaft bei kreditfinanzierten Wagen eingesetzt hatte. Es besteht aus einer unsichtbar verbauten Empfängerbox, die mit der Zündelektronik des Fahrzeugs verbunden ist und über das Internet beziehungsweise Mobilfunknetz gesteuert wird.
Bleiben etwa die fälligen Raten aus, hat der Verkäufer die Möglichkeit, den Wagen mit GPS zu orten, die Hupe während der Fahrt als "Zahlungserinnerung" zu betätigen oder die Zündung bei ausgeschaltetem Motor per Fernsignal zu deaktivieren. Aus Rache für seine Kündigung stahl der Mann die Online-Passwörter für das Funksystem und manipulierte die Autos der Kunden seines ehemaligen Arbeitgebers. Diese ließen sich in der Folge entweder nicht mehr starten oder hupten solange unkontrolliert, bis die Batterie entfernt wurde.
Über ein Webinterface lassen sich die Fahrzeuge deaktivieren. Screenshot: onlinekosten.de
"Anfangs haben wir es noch als technischen Fehler abgetan", so der Manager des Autohauses. "Dann brachen bis zu einhundert Kundenbeschwerden auf einmal über uns herein." Eine Erklärung für das Phänomen gab es zunächst nicht. Nachdem jedoch die Zugangscodes für das webbasierte Zugriffssystem geändert wurden, nahm der Spuk sofort ein Ende. Die Polizei begann daher alle Angestellten zu überprüfen und konnte den ehemaligen Mitarbeiter über die
IP-Adresse als Täter ermitteln.
Christian Wolf