Erneut ist dem US-Softwarekonzern Microsoft nach eigenen Angaben ein Schlag gegen illegalen Software-Handel in Deutschland gelungen. Einem Software-Händler aus Norddeutschland wurden mehrere Tausend selbstgebrannte Datenträger zum Verhängnis. Denn darauf hatte dieser mit einem Hochleistungsbrenner Microsoft-Software kopiert und sie zusammen mit gebrauchten Echtheitszertifikaten des US-Konzerns, sogenannten COAs, als vermeintliche Lizenzen verkauft. Die COAs hatte er zuvor bei diversen Händlern gekauft.
500.000 Euro Schadensersatz
Microsoft kam dem illegalen Handel nach eigenen Angaben über seinen Produktidentifkationsservice auf die Schliche. An diesen können sowohl Fachhändler als auch Endkunden verdächtige Produkte schicken, um sie dort kostenfrei prüfen zu lassen. In den letzten Jahren seien dort 240.000 angebliche Microsoft-Produkte auf Echtheit überprüft worden, 93 Prozent davon seien illegal gewesen. Im aktuellen Fall wurde das Unternehmen des norddeutschen Händlers untersucht. Dort fanden sich ein Brenner und zahlreiche gefälschte Datenträger. Das Landgericht Frankfurt am Main ordnete auf Antrag von Microsoft die Pfändung des größten Teil des Vermögens und von Konten des Händlers an, damit Schadensersatzansprüche gesichert werden konnten. Der Händler musste 500.000 Euro Schadensersatz zahlen, ein strafrechtliches Verfahren stehe noch aus.
Der Handel mit COAs als vermeintliche Lizenzen ist laut Microsoft illegal. Bild: Microsoft.
Microsoft weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das wissentliche Anfertigen und Verkaufen von "Raubkopien" strafbar ist. "Schon die Herstellung und der Vertrieb der gebrannten CDs waren rechtswidrig. Auch der Handel mit COAs ist verboten, da sie zur Kennzeichnung von echter Microsoft-Software verwendet werden", so Swantje Richters, Justitiarin bei Microsoft Deutschland. Nach Angaben von Microsoft beziehen sich die COAs als Herkunftshinweis immer auf die Software, mit der sie in den Verkehr gebracht wurden. Es gebe inzwischen bereits mehrere Urteile deutscher Gerichte, die bestätigt hätten, dass der Handel mit Software-Zertifikaten illegal sei.
Jörg Schamberg