Mit Telefonie und Internet per Kabel gewinnen die großen deutschen Kabelnetzbetreiber immer mehr Kunden. Unitymedia, in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv, weist in seiner am Mittwoch vorgelegten Jahresbilanz weitgehend positive Zahlen auf. Getrübt wird das Bild durch das Basisgeschäft - den Kabel TV-Anschluss.
Umsatz wächst durch neue Dienste um 7 Prozent
Der Umsatz im Unitymedia-Kabelgeschäft wuchs vor allem dank der neuen Dienste Internet und Telefonie um rund 7 Prozent von 809,5 auf 869,6 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), stieg um 13 Prozent auf 446 Millionen Euro. Der von Liberty Global übernommene Kabelnetzbetreiber investierte im vergangenen Jahr 251,7 Millionen Euro in das Kabelgeschäft, im Jahr zuvor lagen die Ausgaben für Netzaufrüstung, Werbung & Co. bei 231,5 Millionen Euro. Der durchschnittliche Erlös pro Kunde (ARPU) legte um elf Prozent auf 14,22 Euro zu. Der gesamte Unitymedia-Konzern erwirtschaftete inklusive der Sat-Marke arena einen Umsatzerlös von rund 1 Milliarde Euro und einen Gewinn von rund 77 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung des Unternehmens blieb nahezu unverändert. Sie sank lediglich um 2,1 Millionen Euro auf rund 1,5 Milliarden Euro.
Kabel TV-Geschäft rückläufig - mehr Internet- und Telefoniekunden
Beim Blick auf die Kundenzahlen sticht weiterhin die gegenläufige Entwicklung des klassischen Kabel TV und der neuen Dienste ins Auge.
Die Zahl der Kabelkunden ging weiter zurück. Während 2008 noch 4,6 Millionen Kunden analoge und digitale TV-Dienste über Unitymedia bezogen, sank deren Zahl im vergangenen Jahr auf rund 4,5 Millionen. Das Bundesliga-Angebot wurde zum 30. Juni 2009 eingestellt, der Geschäftsbereich arenaSAT dümpelt seitdem dahin und zählt nur noch 57.000 Abonnements. Ende des vergangenen Jahres nutzten 30 Prozent der Kabelanschlusskunden einen digitalen Kabelanschluss.
Die Abonnements (RGUs) rund um Internet, Telefonie und Pay-TV konnte Unitymedia dagegen um 31 Prozent auf insgesamt rund zwei Millionen steigern. Bereits 92 Prozent der rund 8,8 Millionen erreichbaren Wohneinheiten sind inzwischen für die Internet- und Telefonienutzung aufgerüstet. Die Zahl der abonnierten Internetzugänge stieg von 377.000 auf 584.000 an, ein Plus von 55 Prozent oder 207.000 Breitband-Abonnements. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres zählte die Liberty-Global Tochter allerdings 'nur' 41.000 neue Internet-Abonnements, das Wachstum verlangsamte sich im Jahresendspurt ein wenig. Noch erfolgreicher als die Internet-Pakete verkauften sich die Telefonieprodukte über das Kabelnetz: Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Abonnements in diesem Bereich um 61 Prozent von 363.000 auf 586.000 an.
Mit schnellem Internet und HDTV in die Zukunft
Rückläufig mit einem Minus von 14 Prozent ist dagegen das digitale Pay-TV. Nur noch 491.000 Abonnements nach 568.000 im Vorjahr konnte Unitymedia hier verbuchen. Damit hat auch das im vergangenen Sommer neu strukturierte und erweiterte Bezahlfernseh-Angebot keine Trendwende erreichen können. Insgesamt verkaufte Unitymedia pro Kabelkunde 1,45 Abonnements - ein Plus von acht Prozent nach 1,34 Abonnements im Jahr zuvor. Der neue Unitymedia-Chef Gene Musselman zeigte sich zufrieden mit dem Erfolg der neuen Dienste: "Unser Unity3play-Produkt erweist sich weiterhin als Wachstumsmotor."
Nach der Integration in den Liberty Global-Konzern will Unitymedia in diesem Jahr vor allem die Einführung von DOCSIS 3.0 basiertem Breitband-Internet weiter beschleunigen. Seit dem vergangenen November bietet Unitymedia Internet mit bis zu 120 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) in den Städten Köln, Aachen und Bergisch-Gladbach an. Zudem will der Kabelnetzbetreiber HDTV starten.