Die US-Bürger sollen in den nächsten Jahren erheblich schnellere Internetzugänge erhalten. Damit will die führende Wirtschaftsmacht wieder zu europäischen und asiatischen Ländern aufschließen, die den USA im Bereich Breitband teils weit voraus sind. Die zuständige US-Regulierungsbehörde FCC legte mit "Connecting America" einen 376 Seiten starken nationalen Breitband-Plan vor, der Ziele für die nächsten zehn Jahre formuliert. Breitband sei die große Infrastruktur-Herausforderung des frühen 21. Jahrhunderts.
Internet mit 100 Mbit/s für 100 Millionen US-Bürger
Derzeit verfügten rund 100 Millionen US-Amerikaner zuhause noch nicht über einen schnellen breitbandigen Internetzugang, 14 Millionen davon hätten technisch gar nicht die Möglichkeit dazu. Zudem liege die durchschnittliche Surfgeschwindigkeit in den USA bei rund vier Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Der nun vorgestellte Plan enthält Handlungsempfehlungen für den US-Kongress. Bis 2020 sollten unter anderem 100 Millionen Haushalte mit bezahlbaren Internetzugängen mit Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s versorgt sein. In jeder Stadt sollten öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder Militärbasen sogar eine bezahlbare Gigabit-Anbindung an das weltweite Netz erhalten. Verbessert werden müsse auch die Bildung: Jeder junge Amerikaner sollte spätestens bei Erreichen eines Schulabschlusses mit der Nutzung des Internets vertraut sein.
Neue Frequenzen für mobiles Internet
Auch in das mobile Internet müsse investiert werden. Dazu würden Frequenzen im 500 Megahertz-Bereich neu bereitgestellt und versteigert - die amerikanische Variante der deutschen Digitalen Dividende. Ländliche Gemeinde würden zudem besonders gefördert, Gelder aus bereits bestehenden Fördertöpfe könnten zu diesem Zweck umverteilt werden. Gleichzeitig soll der Wettbewerb auf dem Breitband-Markt durch mehr Transparenz verstärkt werden. Ein Breitbandatlas könne Informationen zu Preisen, der Bandbreite und der Verfügbarkeit der Angebote der einzelnen Provider bereithalten. Die breitere Versorgung mit schnellem Internet sei auch ein Beitrag zum Umweltschutz. Amerikaner könnten Energie sparen, indem sie etwa ihren Energieverbrauch in Echtzeit über das Netz messen. Im Gesundheitssektor ließen sich ebenfalls durch eine bessere Vernetzung und Nutzen von E-Health erhebliche Mittel einsparen.
Nach Angaben der FCC sei der vorgelegte Breitband-Plan im Beta-Zustand, daran werde sich aber auch in Zukunft nichts ändern. Denn wie das Internet selbst, so werde sich auch die Breitband-Strategie ständig ändern und an neue Entwicklungen anpassen müssen. Noch vor der Vorstellung des Aktionsplans hatte Google-Chef Eric Schmidt den Breitband-Status der USA kritisiert und mehr Engagement in einem nationalen Kraftakt gefordert.
Jörg Schamberg