Freitag, 12.03.2010 10:07

"Financial Times": Murdoch will Jamba loswerden

aus dem Bereich Sonstiges

Vor rund fünf Jahren erreichte der Absatz von Klingeltönen seinen absoluten Höhepunkt und machte das Berliner Unternehmen Jamba deutschlandweit bekannt. Und nicht nur das. Der US-Medienmogul Rupert Murdoch bekam ebenfalls Wind vom erfolgreichen Geschäftsmodell der Deutschen und stieg 2006 mit seiner News Corporation bei Jamba ein – trotz inzwischen rückläufiger Umsätze. Zwei Jahre später übernahm er den Klingelton-Anbieter sogar komplett und gliederte ihn als Fox Mobile Distribution in sein Unterhaltungsimperium ein. "Niemand beherrscht die gesamte Kette von der Produktion über Marketing, Lizensierung bis hin zum Vertrieb so wie wir", sagte damals Mauro Montanaro, Chef der neuen Fox Mobile Group. "Wir stehen erst am Anfang", hieß es zuversichtlich. Mittlerweile hat nicht nur Montanaro das Unternehmen längst verlassen; auch Rupert Murdoch scheint das Kapitel Jamba endlich abschließen zu wollen: Ein Käufer werde gesucht, berichtet die "Financial Times" (FT).

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Rupert räumt auf - Konzentration auf MySpace

Eine offizielle Bestätigung steht zwar bislang aus, jedoch käme ein solcher Schritt keineswegs überraschend. So sanken die Umsätze der Fox Mobile-Unterhaltungssparte, zu der auch Jamba gehört, innerhalb eines Jahres um 20 Prozent von 3 Milliarden auf 2,4 Milliarden US-Dollar. Der operative Verlust stieg im gleichen Zeitraum hingegen von 84 Millionen auf 363 Millionen US-Dollar. Auch die Konkurrenz der zahlreichen App Stores setzt dem Mobilportal zu. Laut "FT" will sich Murdochs News Corp. daher zukünftig wieder stärker auf bestimmte Kernbereiche konzentrieren – insbesondere MySpace stehe im Fokus der neuen Geschäftsstrategie, so das Blatt unter Berufung auf Unternehmens- und Bankenkreise. Der Wettbewerb mit Facebook solle deutlich aggressiver geführt werden. Auch werde bereits an einem "neuen, geheimen Projekt" für MySpace gearbeitet, für das die Beratungsfirma des früheren Onlinechefs des Fernsehsenders CBS, Quincy Smith, engagiert worden sei. Zahlreiche Veränderungen sollen in den nächsten Monaten neue Nutzer anziehen.


Jamba Screenshot
Jamba alias Fox Mobile Distribution alias Jamster soll verkauft werden. Screenshot: onlinekosten.de

Aufgeben käme einer Kapitulation gleich

Alle Pläne, Jamba in das soziale Netzwerk zu integrieren, seien mangels Erfolgsaussicht verworfen worden. Ursprünglich sollten so Marketingkosten eingespart werden; das schleppende Wachstum von MySpace machte dem Unterfangen aber ein Ende. Murdoch wolle jedoch die Wende einleiten und trenne sich daher von unnötigem Ballast. Er sei der Ansicht, MySpace jetzt aufzugeben käme einer Kapitulation im Bereich der Online-Netzwerke gleich, so ein Insider. Andererseits könne auch hier das richtige Kaufangebot zu einem Meinungsumschwung führen. Geschätzter Wert der Social Media-Plattform: 500 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar.

Jamba hingegen dürfte weit unter diesem Preis den Besitzer wechseln. Angeblich haben bereits mehrere Unternehmen ihr Interesse bekundet, darunter der spanische Unterhaltungskonzern Zed, das italienische Medienunternehmen Buongiorno sowie der Klingelton-Anbieter Dada.net. Auch Vodafone, die o2-Muttergesellschaft Telefónica und Telecom Italia seien als mögliche Käufer im Gespräch, so die "FT".

Christian Wolf
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