Man kennt sich, man duzt sich, man lässt den obersten Hemdknopf offen. Wenn sich Manager konkurrierender IT-Unternehmen auf Podiumsdiskussionen treffen, geben sie sich meist locker und sagen nur Gutes über den "geschätzten Wettbewerb". Anders Clemens Riedl: Als der neue Chef der VZ-Netzwerke auf der CeBIT in Hannover seinen ersten öffentlichen Auftritt absolvierte, knöpfte er sich den Rivalen Facebook vor.
Wenig Rücksicht auf Datenschutz
Hinter dem freundlichen Auftreten der Amerikaner verberge sich ein "knallharter Konzern", der in einem "brutalen Verteilungskampf um die Werbegelder" stehe und auf den Datenschutz wenig Rücksicht nehme, polterte Riedl.
Die Politik nahm der Manager gleich in Sippenhaft: "Politiker, die mehr Datenschutz verlangen und selbst auf Facebook aktiv sind, sind zynisch." Riedls CeBIT-Auftritt war kein Ausraster, sondern dürfte geplant gewesen sein. StudiVZ und seine Schwester-Netzwerke SchülerVZ und MeinVZ verlieren gegenüber den expandierenden Amerikanern an Boden. Mit Innovationen kann die Holtzbrinck-Tochter derzeit nicht punkten, aber dafür eine sichtbare Schwäche aufgreifen: Beim Datenschutz hatte der Rivale zuletzt Negativ-Schlagzeilen gemacht.
Facebook auf Überholspur
Facebook, die weltweite Nummer 1, startete in Deutschland spät, holt derzeit aber mächtig auf. Die Mitgliederschar zwischen Flensburg und Garmisch wuchs binnen eines Jahres von zwei auf 7,5 Millionen - weltweit sind es mehr als 400 Millionen. Die Besucherzahl auf der deutschen Website verdreifachte sich laut der Marktforschungsfirma von Nielsen sogar.
StudiVZ und die Schwester-Plattformen SchülerVZ und MeinVZ haben 16 Millionen registrierte Mitglieder, von denen sich 90 Prozent mindestens einmal im Monat einloggen. Die Besucherzahlen sanken laut Nielsen jedoch deutlich und liegen nur noch marginal höher als beim Konkurrenten. Setzt sich der Trend fort, dürfte Facebook die VZ-Netzwerke bald überholen.
Bei Facebook spielt derzeit die Musik
Ein Grund für den Erfolg: Das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen gibt bei den Innovationen den Takt vor. Schon 2007 öffnete sich das Unternehmen gegenüber externen Programmierern. Deren Anwendungen - wie bei Apples iPhone als "Apps" bezeichnet - erweitern das Kontaktnetzwerk um Spiele, Ergebnis-Ticker für Sportfans oder eine Kleinanzeigenbörse. Millionen Nutzer pflegen beispielsweise ihre Felder beim Spiel "Farmville".
Als erster Anbieter stellte Facebook zudem den sogenannten Feed in den Mittelpunkt: Mitglieder sehen darin gleich, wenn Online-Freunde neue Statusmeldungen, Fotos oder Kommentare eingestellt haben. So bietet das Netzwerk jeden Tag Neues. In den vergangenen Monaten dürfte sich auch noch der Netzwerk-Effekt bemerkbar gemacht haben. Wie bei einer Party gilt: Wo bereits viel los ist, kommen andere gerne hin. Derzeit spielt bei Facebook die Musik.