Wer an die CeBIT denkt, wird in der Regel an große Messestände und trockene Luft in den Hallen auf dem Expo-Gelände in Hannover denken. Wirkliche Dynamik ist in den zurückliegenden Jahren immer seltener zu beobachten gewesen. Mit Einführung der Webciety im vergangenen Jahr hat sich das geändert. In einer Art Web 2.0-Zentrum wird im Rahmen von Vorträgen und Podiumsdiskussionen mitten auf der weltgrößten Messe für IT-Technik über aktuelle Entwicklungen und Trends im Internet diskutiert - teils sachlich, manchmal aber auch sehr emotional. Zum Beispiel am Donnerstag, als führende Manager von Xing, MySpace und den VZ-Netzwerken auf einer Bühne zusammenfanden.
Facebook als Gefahr
Rund 45 Minuten diskutierten der neue VZ-Chef Clemens Riedl, der MySpace Deutschland Geschäftsführer Joel Berger und der Vize-Entwicklungschef von Xing, Jackson Bond über die Zukunft der sozialen Netzwerke. Facebook hatte als weltweit größtes soziales Netzwerk zwar keinen Vertreter nach Hannover geschickt, wurde aber auch so mit reichlich Aufmerksamkeit bedacht. Auch wenn Claus Fesel von der DATEV anmerkte, kein soziales Netzwerk müsse Angst vor Facebook haben, weil jede Plattform ihre eigene Zielgruppe habe, waren sich die drei Haupt-Referenten einig: Facebook muss durchaus als Gefahr gesehen werden.
Besonders angriffslustig zeigte sich VZ-Chef Riedl. Zwar sei es den VZ-Netzwerken inzwischen möglich, soviel Geld zu verdienen, wie es manche Leute wohl nicht glauben würden, es sei aber ein "brutaler Verdrängungskampf" zu beobachten. Auch deswegen sei nicht nachvollziehbar, dass für amerikanische Unternehmen wie Facebook in Deutschland andere Datenschutzrichtlinien gelten. Bei all den Datenschutz-Diskussionen würden die Nutzer letztlich an der Nase herumgeführt. "Das, was immer gefordert wird, kann gar nicht für alle kommen", polterte Riedl.
Arbeitet Facebook mit unfairen Mitteln?
Doch damit nicht genug. Der VZ-Chef kritisierte auch das Anwerben neuer Mitglieder durch Facebook scharf. Er selbst habe beobachtet, dass Einladungen zur Teilnahme von angeblichen Facebook-Mitgliedern verschickt werden, die gar keinen Account bei dem amerikanischen Netzwerk besitzen. So habe Riedl beispielsweise Facebook-Einladungen von seiner Mutter erhalten, obwohl diese dort gar keinen Account besitze. Das habe mit Datenschutz nach deutschem Recht nichts zu tun.