Voraussichtlich im April werden neue Mobilfunkfrequenzen von der Bundesnetzagentur versteigert. Mit funkbasierten Anbindungen sollen dann erst einmal die Lücken auf der Breitbandlandkarte in Deutschland geschlossen werden. Auch Satelliten und neue Mobilfunktechnologien wie Long Term Evolution (LTE) sollen zum Einsatz kommen. Die Telekom will mit dem Aufbau von LTE Ende 2010 beginnen.
Funk vs. Glasfaser
Nach Meinung von Jürgen Grützner vom Verband VATM, der vor allem Wettbewerber der Deutschen Telekom vereint, liegt es aber in der Hand von kleinen und mittelständischen Unternehmen, das Breitbandziel in diesem Jahr doch noch zu schaffen. Viele dieser Unternehmen hätten schon im vergangenen Jahr Dörfer mit Funklösungen zum Beispiel via Satellit erschlossen. "Das Geniale daran ist, das funktioniert dezentral und der Fortschritt ist messbar."
Manche Politikern wollen davon nichts hören. "Wir wollen das Glasfaserkabel in jedem Haushalt", betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Gerd Müller (CSU) auf der CeBIT. Funk könne nur eine Zwischenlösung sein.
Glasfaserausbau kostet bis zu 50 Milliarden Euro
Doch die Telekombranche scheut vor den Kosten für den Glasfaserausbau zurück: 30 bis 50 Milliarden Euro könnte er laut Schätzungen in Deutschland verschlingen, einen Großteil davon machten die Grabungsarbeiten aus. Die Verlegung von einem Kilometer Glasfaser-Kabel in die Erde koste bis zu 50.000 Euro, rechnet zum Beispiel die Deutsche Telekom vor. Der Staat stellt für den Breitbandausbau nur Fördermittel für die Kommunen aus dem Konjunkturpaket II zur Verfügung. Der Abruf dieser Mittel scheitert laut VATM häufig an bürokratischen Hürden.
"Wenn wir Glasfaser auf dem Land haben wollen, müssen wir deshalb zwei Sachen schaffen: Wir müssen die Nutzerzahlen dramatisch erhöhen und die Kosten senken", sagt VATM-Geschäftsführer Grützner. Nur wenn die Telekomunternehmen mit Funklösungen Kunden gewinnen, können sie weiter investieren, so die Rechnung. Würden dann bei Tiefbauarbeiten immer automatisch leere Rohre für künftige Glasfaserleitungen verlegt, könnten die Investitionen um ein Drittel gesenkt werden. Bislang wird das allerdings nur in Baden-Württemberg eingehalten. Netzagentur und Wirtschaftsministerium feilen deshalb an neuen Gemeinschaftslösungen, in die auch Energieversorger einbezogen werden sollen. Bis schließlich Glasfaser-Leitungen in jedem Winkel Deutschlands liegen, werde es noch 10 bis 15 Jahre dauern, erwartet Grützner.