Viele Deutsche können sich ein Leben ohne
Internet nicht mehr vorstellen und würden
eher auf Auto oder Freundin verzichten als auf den Zugang zur Datenautobahn. Dass aber jeder Vierte (23 Prozent) sogar bereit wäre, einen Computerchip im Körper zu tragen, wenn er dadurch bequemer shoppen könnte, mag überraschen – ist aber Fakt. Das brachte eine Studie des Branchenverbandes Bitkom zu Tage.
Web fördert Bildung und Kontakte
Für die Altersklasse bis 29 Jahre rangiert das Internet schon jetzt vor anderen Medien wie Radio, Fernsehen, Zeitung und Büchern. Wohl nicht zuletzt, weil die Grenzen verwischen: Nachrichten lesen, Fernsehen und Radio hören sind schließlich auch übers Netz möglich – die Welten verbinden sich. "Connected Worlds" (engl.: verbundene Welten) ist denn auch das Motto der diesjährigen CeBIT, die heute ihre Tore öffnet. Anders hingegen bei den Silver Surfern: Unter den Senioren ab 65 ist laut Studie nur jeder Dritte im Web (32 Prozent) unterwegs. Entgegen aller Unkenrufe trägt des Medium auch zur Allgemein- und Weiterbildung bei. 62 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten mit Hilfe des Webs ihre Allgemeinbildung verbessert, jeder Zweite (51 Prozent) sogar seine berufliche Bildung. Fast ebenso viele (44 Prozent) haben Job-Kontakte geknüpft, die sie beruflich weiterbringen können.
Fast jeder Siebte findet Sex-Kontakt
Kontakt ist überhaupt das große Stichwort im Web 2.0: Soziale Netzwerke boomen, und 57 Prozent der Surfer haben bestehende Freundschaften aufgefrischt, während jeder Dritte (36 Prozent) neue Freunde kennengelernt hat. Und mehr als das: Der lange Arm des Internet reicht längst bis zum Standesamt. 18 Prozent der über 14-jährigen haben im Netz bereits einen festen Partner kennengelernt. 13 Prozent berichten von Erotik-Kontakten. Connected Worlds finden sich aber auch im Berufs- und Privatleben und zwischen Wirtschaft und Verbraucher. Bis zu 85 Prozent der Berufstätigen sind auch in ihrer Freizeit für Chefs, Kollegen oder Kunden erreichbar – per E-Mail oder Handy. Umgekehrt nutzen 43 Prozent der Berufstätigen das Web während der Arbeit privat. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer rät zu Absprachen mit den Mitarbeitern statt pauschalen Verboten. "Dann können beide Seiten profitieren", so Scheer.
Verändertes Kaufverhalten
Verändert hat das Internet offenbar auch das Kaufverhalten. Jeder zweite Nutzer (48 Prozent) liest vor einem Kauf Bewertungen anderer Nutzer und erarbeitet sich so einen Wissensvorsprung. Hier haben die Surfer ab 65 Jahren die Nase vorn: Sie lesen Produkt-Kommentare zu 65 Prozent. Das aktive Bewerten ist aber offenbar nicht jedermanns Sache: Nur 20 Prozent geben ihre Meinung zu Produkten, Reisen und Gaststätten im Netz ab. Ein Ergebnis, das im Gegensatz zum Trend des "Co-Produzenten" steht: Jeder fünfte Surfer (21 Prozent) würde gern online an der Produktentwicklung beteiligt werden.
Während sie von den Bürgern Weiterbildung und Flexibilität im Beruf verlangen, haben Politiker den Web 2.0-Trend offenbar "verschlafen". So jedenfalls sehen es die befragten Bürger. 59 Prozent der Deutschen fordern, das Internet müsse in der Politik eine größere Rolle spielen, so die Bitkom-Studie. Hier hat US-Präsident Barack Obama mit seinem Web-Wahlkampf offenbar neue Maßstäbe gesetzt.