Ein Fernsehgerät zum TV schauen, ein Computer oder Notebook zum Surfen im Internet: Was heute noch Standard ist, soll in Zukunft auf einem Gerät zusammengeführt werden. Unter dem Schlagwort Hybrid TV ermöglichen Fernseher zukünftig auch den Zugriff auf das Internet. Branchenexperten diskutierten auf der Euroforum-Jahrestagung "Die Zukunft der Kabel-TV-Netze" in Köln mögliche Einsatzmöglichkeiten und Geschäftsmodelle für das Fernsehen der nächsten Generation.
Trend weg vom linearen Fernsehen
Das es sich dabei keineswegs um eine ferne Zukunftsversion handelt, erläuterte André Schneider, Leiter Produktstrategie beim Elektronikkonzern Samsung. Das Angebot an TVs mit Internetzugang wachse schnell: Im vergangenen Dezember seien bereits 14 Prozent der neuen Fernseher internetfähig gewesen. Auch Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, sieht den Trend weg vom linearen TV, das sich an dem starren Zeitkorsett der Fernsehsender ausrichte. Stattdessen werde das Thema "Video überall und zu jeder Zeit" zunehmend bedeutsamer. Die für das zweite Halbjahr geplante Einführung von RTL Hdtext, dem Nachfolger des klassischen Videotextes, biete Funktionen, die sich auch im Internet wiederfinden - etwa die Einbindung von interaktiven Mehrwertdiensten gegen Gebühr.
Einheitlicher Standard ist erforderlich
Marcus Dimpfel, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung der Mediengruppe RTL Deutschland, sprach sich für einen einheitlichen Standard aus, wenn Internetdienste den Weg auf den Fernseher finden. Das aktuell weltweit diskutierte Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) geht auf eine europäische Initiative zurück und nutzt HTML als Basistechnologie zur Einbindung von Internetinhalten auf dem Fernsehbildschirm. Bislang sei HbbTV jedoch nur eine Spezifikation und noch kein allgemein gültiger Standard, am Markt gebe es derzeit etliche proprietäre Lösungen. Dimpfel warnte denn auch vor der derzeit unübersichtlichen Angebotsvielfalt. Eine Kaufentscheidung für ein TV beinhalte heutzutage auch die Entscheidung über die nutzbaren Plattformdienste- und Inhalte. Sollte die Industrie sich nicht auf einen einheitlichen Standard einigen, könnte dies zur Verunsicherung und Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern führen. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten seien aber entscheidende Weichenstellungen auf dem Weg zu einem gemeinsamen Standard zu erwarten.
Hybrid-TV: Plattform des Pilotprojektes von Focus TV und Loewe. Foto: onlinekosten.de
Portalkonzepte mit vielfältigen Web-Inhalten
Alle TV-Gerätehersteller verfolgten derzeit Portalkonzepte, die einzelnen Lösungen seien aber zueinander inkompatibel, so Klaus Illgner-Fehns, Geschäftsführer des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) in München. Für Inhalteanbieter sei dieser Zustand nicht optimal, da sie ihren Content jeweils für die einzelnen Plattformen anpassen müssten. Illgner-Fehns sprach sich für einen offenen Standard mit Minimalanforderungen aus. Die TV-Hersteller versprechen sich von den Hybrid-Geräten neue Geschäftsmodelle. Angeboten werden neben klassischen Medienangeboten wie Video on Demand oder Nachrichten auch Communities, eBay oder Spiele. Matthias Pfeffer, Geschäftsführer und Chefredakteur von Focus TV Productions, demonstrierte in Köln ein aktuelles Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit TV-Hersteller Loewe. Über die neue Software MediaNetwork 2.0 könnten etwa bequem per Fernbedienung Internetvideos und Web-TV-Inhalte abgerufen werden. Zudem sei das Abspielen von YouTube-Videos, Hörbüchern und Radiostreams möglich. Es seien jedoch neue Techniken für die Navigation in den umfangreichen Angeboten erforderlich, um Nutzern einen leichten Zugriff über die Fernbedienung zu ermöglichen.