Mitte Februar warb Vodafone-Chef Friedrich Joussen zum wiederholten Male für das Handy als Passersatz. Mit einem digitalen Personalausweis könne sich jeder im Internet identifizieren. In der kommenden Woche wird das Darmstädter Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) auf der CeBIT (Halle 9, Stand B36) eine Konzeptstudie zum sicheren mobilen Identitätsmanagement vorstellen. Gezeigt werden solle die Nutzung des ab 1. November erhältlichen neuen Personalausweises mit Mobilfunkgeräten.
Sichere mobile Internetgeschäfte
Die Lösung von Fraunhofer soll mobile Internetgeschäfte und Behördengänge erleichtern. Das Handy werde einerseits für den Internetzugang benötigt, diene andererseits aber auch gleichzeitig als Lesegerät für den Personalausweis. Zum Einsatz kommt die NFC-Funktechnologie, für die kein gesondertes Lesegerät mehr erforderlich sei. Die Daten gelangten per Funk an das Handy. "Noch sind nur wenige Mobilfunkgeräte mit dieser Technik ausgestattet, aber das wird sich ändern", so Forschungsbereichsleiter Mario Hoffmann vom Fraunhofer SIT, "denn die Handhabung ist äußerst bequem und gleichzeitig sehr sicher."
Dank NFC kein Abhören der Funkverbindung möglich
Fraunhofer: Auslesen des Ausweises mit dem Handy als Lesegerät. Bild: Fraunhofer SIT
In der Praxis könne das System etwa unterwegs Überweisungen per Handy ermöglichen. Nach dem Aufruf der mit einem offiziellen Zertifikat ausgestatteten Internetseite seiner Bank im Handy-Browser müsse der Personalausweis nur in die unmittelbare Nähe des NFC-Lesers - in diesem Fall des Handys - gehalten werden. Zusätzlich sei zur Identifizierung noch die Eingabe einer sechsstelligen PIN erforderlich. Die Daten des Ausweises ließen sich dann auslesen und per Funk übertragen. Die nötige Sicherheit sei gewährleistet, da der Funkkontakt zwischen Ausweis und Handy nur auf wenige Zentimeter begrenzt sei und somit nicht abgehört werden könne.
Noch nicht alle technischen Hürden überwunden
Auf Telefongesellschaften würden laut Fraunhofer-Institut keine Investitionen zukommen, da das Konzept sich bereits mit den vorhandenen Mobilfunknetzen verwirklichen lasse. Mit einer schnellen Einführung für die breite Masse sei aber noch nicht so schnell zu rechnen. Zuvor müssten noch einige "technische Hürden" überwunden werden. Als Beispiele nannte Hoffmann die Einbindung eines sogenannten Bürgerclients sowie der mobilen eCard-API. Zudem müsse die Technik für die unterschiedlichen Handy-Plattformen angepasst werden.
Jörg Schamberg