Montag, 22.02.2010 19:26

Neues Telekom-Datenleck: Was wussten die Chefs?

aus dem Bereich Sonstiges

Sie waschen ihre Hände in Unschuld, prangern "kriminelle Strukturen" und "gefährliche Preiskarussells" in Callcentern an. Möglicher Weise hat die Chefetage der DeutschenTelekom und T-Mobile aber doch so manchen dunklen Fleck auf der weißen Weste. Die "WirtschaftsWoche"(WiWo) berichtet von zweifelhaften Absprachen zwischen dem Bonner Konzern und dem Großhändler The Phone House (TPH). Der Vorwurf: Die Daten von 16 Millionen Mobilfunk-Kunden seien gefährdet worden, obwohl hauseigene Datenschützer von solch riskanten Vereinbarungen abgeraten hätten.

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16 Millionen frei zur Einsicht

Nach WiWo-Angaben sind Unterlagen aufgetaucht, aus denen hervorgeht, dass die Telekom den Call-Centern des Großhändlers The Phone House (TPH) im Jahre 2007 Zugriff auf 16 Millionen Mobilfunk-Kunden eingeräumt hat. Anlass war dessen Umwandlung vom eigenständigen Mobilfunk-Anbieter zum Großhändler. Die restlichen Mobilfunk-Kunden sollten als T-Mobile-Kunden weiterbetreut werden.

Das hätte allerdings nicht zwangsläufig den Zugriff auf den gesamten Datenbestand erfordert. Um die langwierige Programmierung eines neuen Berechtigungssystems zu vermeiden, hat man TPH kurzerhand „die Sicht“ (Vertragstext) auf alle T-Mobile-Kunden eingeräumt, so WiWo. Ein datenschutzrechtlich bedenklicher Zustand, der inzwischen behoben ist, wie die Telekom beteuert.

Doch damit nicht genugt: Die von T-Mobile-Chef Philipp Hamm geschlossenen TPH- Verträge sollen von Telekom-Datenschützern als "nicht kalkulierbares Risiko" eingestuft worden sein. Den WiWo-Quellen zufolge sollen auch Obermann und Höttges davon gewusst haben.

Sorgte "Klüngel" für lockere Zügel?

Besonders pikant: TPH ist aus einem Unternehmen hervorgegangen, das der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann selbst im Jahre 1986 gegründet hat. Und Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges und TPH-Chef Ralf-Peter Simonis sollen die gleiche Hörsaalbank gedrückt haben.

Die Telekom räumt bezüglich der umfangreichen Einsicht auf Kundendaten ein, sie würde heute "eine solche Entscheidung (...) nicht mehr treffen." Auf Redaktionsanfrage bezeichnete sie jedoch den Vorwurf, das Management habe von den Bedenken der Datenschützer gewusst, als "absolut haltlos".

Telekom: Vorwürfe sind "lächerlich"

Einen legeren Umgang mit Kundendaten aufgrund eines persönlichen Bezugs von Obermann und Höttges zu TPH zu unterstellen, sei "lächerlich". Die Daten seien auch nicht allen TPH-Mitarbeitern, sondern lediglich an zwei Arbeitsplätzen zur Einsicht geöffnet worden. Deren Hard- und Software habe keinen massenhaften Datenklau begünstigt, so die Telekom-Pressestelle. Weder habe es USB-Schnittstellen noch die Möglichkeit zu umfangreichen Datenbank-Abfragen gegeben.

Derzeit befassen sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder mit den Vorgängen. Auch die Bundesnetzagentur hat WiWo zufolge Untersuchungen angekündigt. Seit 2008 die ersten Berichte über Datenlecks bei T-Mobile die Schlagzeilen beherrschten, kommen immer wieder mehr oder weniger brisante Details ans Tageslicht.

Dorothee Monreal
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