Es war ein Paukenschlag für die deutsche Telekommunikationsbranche: Im vergangenen November hatte der internationale Medienkonzern Liberty Global den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber
Unitymedia für 3,5 Milliarden Euro gekauft. Branchenexperten spekulieren seitdem darüber, ob John Malone, der mächtige Medienunternehmer hinter Liberty, noch weitere Übernahmen in Deutschland plane.
Unitymedia selbst ist nur in den beiden Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" äußerte sich Liberty-Vorstandschef Michael Fries zur Zukunft des in Köln ansässigen Kabelnetzbetreibers.
Fries: Malone will kein Imperium in Deutschland
Fries versucht die Furcht vor angeblichen Expansionsplänen seines Unternehmens zu nehmen. John Malone wolle kein Imperium aufbauen. Kabelnetzbetreiber und Fernsehsender könnten voneinander profitieren, der Markt sei auch groß genug für
Telekom-Unternehmen. Das Verbreitungsgebiet von Unitymedia biete fast neun Millionen Haushalte, hier lägen zehn der 20 größten deutschen Städte. Liberty wolle "nichts anstreben, was derzeit nicht erreichbar ist". In anderen Ländern hätten die Kartellbehörden zwar inzwischen erkannt, dass die Kabelnetzbetreiber nur als Wettbewerber der Telekommunikationsunternehmen auftreten könnten, wenn sie entsprechend groß sind. In Deutschland sei die aktuelle Position des Bundeskartellamts zu einem Zusammenschluss der großen Kabelnetzbetreiber dagegen noch unklar.
Erst zehn Prozent der Kunden nutzen Breitbanddienste
Liberty Global-Chef Michael Fries. Bild: Liberty Global
Unitymedia sei jedoch nicht gekauft worden, um hierzulande dann "noch mehr zukaufen zu können". Die deutschen Behörden würden Liberty aktuell nicht ermuntern etwa ein Angebot für
Kabel Deutschland, den
zum Verkauf stehenden größten deutschen Kabelnetzbetreiber, abzugeben. Es gebe aber trotz des hohen Kaufpreises für Unitymedia "keinen Masterplan" für Deutschland. In Nordrhein-Westfalen und Hessen sieht Fries noch ausreichend "großes Wachstumspotenzial. Es könnten "noch wenigstens acht Millionen Haushalte" für
Internet- und Telefondienste gewonnen werden. Derzeit würden die im modernisierten Kabelnetz möglichen Dienste nur von zehn Prozent der Unitymedia-Kunden genutzt. Unitymedia biete aber mit
Internet von bis zu 120 Megabit pro Sekunde den Kunden einen "Porsche" im Vergleich zu den langsameren
DSL-Anschlüssen. Wichtig für den Kabelnetzbetreiber sei zudem weniger die Gesamtzahl der Kunden, sondern die Anzahl der verkauften Produkte. Derzeit hätten die rund
4,5 Millionen Unitymedia-Kunden knapp sechs Millionen Produkte – TV, Internet und Telefonie – des Unternehmens gebucht. Deren Zahl soll in den nächsten Jahren auf zehn Millionen gesteigert werden. Der laut "Die Welt" in der Vergangenheit immer wieder bemängelte Kundenservice von Unitymedia werde von Liberty geprüft und bei Bedarf verbessert.
Einführung von HD-Angeboten und mehr Video-on-Demand
Eine Offensive auf die deutsche Fernsehlandschaft mit neuen Sendern aus dem Bestand von Liberty sei nicht geplant, da es schon genügend Programme in Deutschland gebe. Das Angebot von Unitymedia solle jedoch durch erweitertes
Video on Demand und Einführung von HD aufgewertet werden. Fries gab zu, dass es in Deutschland beim Bezahlfernsehen "noch viel zu tun" gebe. Kunden würden nur für etwas zahlen, wenn ihnen das Angebot auch einen Mehrwert biete. Der Münchener Pay-TV Sender
Sky sei trotz Fußball-Rechten und großer Film-Bibliothek zu teuer. "Und es ist eine Schande, wie schwer es für unsere Kunden ist, an diese Programme zu kommen", beklagte sich der Liberty-Chef. Es würden besondere Geräte benötigt und es müsse "immer gleich ein großes Paket" gekauft werden. Besser wäre "Premium für die Masse" und Nutzungsmöglichkeit über alle technischen Plattformen hinweg.
Zusätzliche Wachstumschancen sieht Liberty-Chef Fries unter anderem im Geschäft mit Unternehmenskunden, das von Unitymedia bislang kaum abgedeckt werde. Hier sei eine Zusammenarbeit mit anderen Kabelnetzbetreibern denkbar. Eine Gefahr durch die wachsende Bedeutung des
mobilen Internets sieht Fries hingegen nicht.
Breitband-Internet auf dem
Handy ersetze nicht die Highspeed-Leitung mit 100 Mbit/s zu Hause. Außerdem gerieten die Mobilfunknetze an ihre Kapazitätsgrenzen, während die Breitbandleitungen noch über ausreichend Reserven nach oben verfügten.