Die
Deutsche Telekom fühlt sich durch die Regulierung benachteiligt. Wie bereits berichtet, forderte Telekom-Chef René Obermann auch eine
Regulierung der Kabelnetze. Die Wettbewerber sollten Zugriff auf die breitbandige Verkabelung der Kabelnetzbetreiber in den Häusern haben können, so die Position der Telekom. Das Drängen auf eine Regulierung der immer stärker werdenden
Kabel-Konkurrenz stieß bei den betroffenen großen Kabelanbietern allerdings auf Ablehnung. Onlinekosten.de bat Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW um ihre Einschätzung der lauter werdenden Rufe nach einer Kabelnetz-Regulierung.
KDG: Zehn Prozent Marktanteil rechtfertigt keine Regulierung
Kabel Deutschland gibt zu Bedenken, dass die Kabelnetzbetreiber derzeit erst einen Marktanteil von zehn Prozent am gesamten Breitbandmarkt einnehmen würden. "Das rechtfertigt aus unserer Sicht keine Regulierung, zumal eine Regulierung richtigerweise nach deutschem und europäischen Recht grundsätzlich an das Vorliegen von Marktbeherrschung anknüpft", so eine Sprecherin von Kabel Deutschland gegenüber onlinekosten.de. "Überdies würde die Regulierung des Kabels den derzeit endlich in Gang gekommenen Infrastrukturwettbewerb eher behindern", heißt es von Kabel Deutschland weiter. Aufmerksam habe der Münchener Kabelanbieter zur Kenntnis genommen, "dass die Deutsche Telekom das Unternehmen als starken Wettbewerber betrachtet". Kabel Deutschland unterliege im Bereich TV bereits einer "erheblichen Regulierung durch Rundfunk-, Telekommunikations- und Kartellrecht".
Unitymedia: Telekom hat elf Mal höhere Umsätze als alle Kabelanbieter zusammen
Auch aus Köln, dem Sitz von
Unitymedia, kommen ablehnende Töne. "Die Forderung nach einer Regulierung des Unitymedia Kabelnetzes ist nicht nachvollziehbar, da das europäische und nationale Recht eine Regulierung nur zur Förderung eines funktionierenden Wettbewerbes vorsieht und nicht dazu, Goliath vor David zu schützen", so ein Unitymedia-Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Berücksichtigt werden müsse, dass "die Deutsche Telekom AG elf Mal höhere Umsätze erzielt als alle deutschen Kabelnetzbetreiber zusammen", so der Sprecher weiter. Die stärker werdende Konkurrenz durch das Kabel versuche sich die Telekom "mit Hilfe von Regulierungseingriffen auf Distanz zu halten". Doch die Regulierung diene ja gerade einem Wettbewerb, der den Verbrauchern günstigere Preise und bessere Leistungen bringe. Durch den Wettbewerbsdruck würden die Unternehmen zudem zu Investitionen in die Infrastruktur gezwungen. Unitymedia sehe daher - wie die Bundesnetzagentur selbst - keinen Regulierungsbedarf.
Kabel BW: Vorleistungsprodukt technisch nur schwer umsetzbar
Die Kabelnetzbetreiber konnten sich laut
Kabel BW aufgrund der durch die Telekom verzögerten Privatisierung des Kabelnetzes erst verspätet im Breitbandmarkt etablieren. Die Politik wolle ausdrücklich einen Wettbewerb der verschiedenen Infrastrukturen. Nach Ansicht des Kabel BW-Sprechers sei das Kabel mit einem Marktanteil von knapp über zehn Prozent "erst im Aufholprozess und noch weit von der marktbeherrschenden Position der Telekom entfernt". Für die Forderung zur Öffnung eines Zugangs zum Breitbandkabel sieht Kabel BW daher keinen Anlass. "Zudem wäre das Angebot eines Vorleistungsprodukts, wie es beim klassischen Telefonnetz in Form von
TAL oder Bitstream-Access praktiziert wird, technisch nur sehr schwierig umzusetzen, da das Breitbandkabelnetz einen anderen Netzaufbau hat", so die Sichtweise des baden-württembergischen Kabelnetzbetreibers.
Dennoch hätte das Kabelnetz das Potenzial, um schon heute rund 60 Prozent der Bevölkerung zu versorgen, vielerorts schon mit Highspeed von bis zu 100 Mbit/s und mehr. Einige
DSL-Anbieter versuchten aber durch Ruf nach einer Regulierung ihre Marktanteile "abzusichern". Kabel BW wolle dagegen Kunden auch dort mit hohen
Internet-Bandbreiten versorgen, wo
DSL nicht verfügbar sei.