Die deutschen Kabelnetzbetreiber sind den
DSL-Anbietern zunehmend ein Dorn im Auge. Während
Kabel Deutschland,
Unitymedia,
Kabel BW & Co. über ihre modernisierten Kabelnetze sowohl Telefonie als auch
Internet mit aktuell bis zu 120 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) anbieten, ist bei
VDSL in der Praxis derzeit bei 50 Mbit/s die maximale Bandbreite erreicht.
Telekom-Chef
René Obermann hat nun laut einem Bericht der "Welt" dafür plädiert, auch die Kabelnetzbetreiber in die Regulierung durch die Bundesnetzagentur aufzunehmen.
Telekom: Zugriff auf Breitbandverkabelung in den Häusern
"Kabelnetzbetreiber haben die breitbandige Verkabelung in den Häusern, auf die Wettbewerber auch Zugriff haben sollten", sagte Obermann nach Informationen der Zeitung jüngst in Berlin. Der Zugang müsse diskriminierungsfrei sein. Dies solle die Bundesnetzagentur berücksichtigen. Im vergangenen Jahr hatte sich auch
1&1 ähnlich positioniert. "Im Sinne der Verbraucher sollte es Wettbewerb auch auf den TV-Kabelnetzen geben", so 1&1-Vorstand Robert Hoffmann damals. Mit solchen Forderungen stoßen sie bei der Bonner Regulierungsbehörde derzeit noch auf Granit. Denn der Anteil der Kabelanbieter am gesamten Breitbandmarkt liege erst bei rund zehn Prozent: Bundesweit werden knapp 2,7 Millionen der mehr als 25 Millionen Breitbandanschlüsse über das TV-Kabelnetz realisiert.
Wachsender Marktanteil der Kabelanbieter bei Neukunden
Doch die Nachfrage nach
Internet über Kabel boomt, wie vor allem der Blick auf die Verteilung der Neukunden auf die einzelnen Anbieter zeigt. Dies bekommt unter anderem auch die Telekom regional deutlich zu spüren. Laut einer Analyse des Breitbandmarktes durch die Finanzexperten von Sal. Oppenheim konnten die Kabelnetzbetreiber im vergangenen Jahr bei Neuanschlüssen einen Marktanteil von 27,9 Prozent für sich verbuchen. In diesem Jahr soll der Marktanteil bei Neukunden sogar auf geschätzte 34 Prozent steigen. Damit wäre jeder dritte Neuanschluss ein
Internetzugang per Kabel. Kunden werden vor allem mit hohen Bandbreiten gelockt, die im Vergleich mit den
DSL-Providern zudem zu günstigen Preisen angeboten werden. Am Montag startete denn auch
Kabel Deutschland Internet mit bis zu 100 Mbit/s. Das zunächst nur in Hamburg angebotene neue
Paket Comfort 100 ist bereits ab 42,90 Euro im Monat erhältlich.
Kabelnetzprovider umgehen die "Letzte Meile"
Der wirtschaftliche Vorteil der Kabelnetzanbieter liegt auf der Hand: Während die Telekom-Wettbewerber dem ehemaligen Monopolisten Entgelte für die Nutzung der
Letzten Meile zahlen müssen, führen die Kabelleitungen bereits direkt in die Wohnungen der Kunden, ein Zugriff auf das Netz der Telekom mit den langsameren Kupferleitungen ist nicht notwendig. Zur Modernisierung der Netze haben die Kabelanbieter in den letzten Jahren allerdings auch hohe Investitionen in Milliardenhöhe tätigen müssen. Um ähnliche Bandbreiten wie die Kabelkonkurrenz zu erzielen, müsste die Telekom Glasfaser nicht nur bis in die Häuser, sondern gleich bis in die Wohnungen verlegen und das veraltete Netz der Kupferleitungen umgehen. Diesen Weg beschreitet in der Schweiz etwa der dort führende Anbieter: Auf eigene Kosten
verlegt Swisscom gleich vier Glasfasern in jede Wohnung.