SAP-Chef Léo Apotheker hat nach nur neun Monaten an der Spitze des Softwarehauses das Handtuch geworfen. Gescheitert ist Apotheker offensichtlich am Streit über die künftige Strategie des führenden europäischen Softwareherstellers. Ein weiterer Grund ist das massiv geschwundene Vertrauen der Belegschaft. Entscheidend für den schnellen Abgang des 56-Jährigen soll auch das belastete Verhältnis zu Aufsichtsratschef Hasso Plattner gewesen sein. Der SAP-Mitgründer gilt auch nach seinem Rückzug vom Vorstandsposten als der starke Mann im Hintergrund.
Apotheker hat aufgeräumt
Apotheker, der fünf Sprachen fließend spricht, hatte den Weltmarktführer für Unternehmenssoftware in einer Phase übernommen, in der das erfolgsverwöhnte Unternehmens erstmals kräftig ins Trudeln geraten war: Miese Geschäftszahlen in der weltweiten Wirtschaftskrise, einschneidende Sparmaßnahmen und erstmals in der Firmengeschichte ein stattliches Stellenstreichprogramm.
Dass Plattner nach bereits länger schwelender Kritik endgültig die Reißleine zog, hatte aber wohl doch andere Gründe. Zwei Flops werden Apotheker in seiner kurzen Amtszeit als gravierende strategische Managementfehler vorgeworfen: Die seit Monaten immer wieder
verschobene Einführung der neuen Mittelstandssoftware "Business by Design" und der heftige, imageschadende Streit mit tausenden Kunden über höhere Wartungskosten.
SAP hat sich von seinen Kunden entfernt
"Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", begründete Plattner denn auch die Ablösung von Apotheker. Übersetzt bedeuten diese dürren Worten eine vernichtende Kritik: SAP hat sich in den vergangenen Monaten von seinen Kunden entfernt.