Das Handy- und Smartphone-Betriebssystem Symbian ist ab sofort kostenfrei als Open Source-Lösung erhältlich. Das gab die gemeinnützige
Symbian Foundation am Donnerstag bekannt. Die von Nokia mitgegründete und mehrheitlich getragene Stiftung hat seit 2009 alle Rechte an dem System inne. Der Schritt dient der Erhaltung und Festigung von Symbian als Geräte-Plattform - und kommt damit insbesondere
Nokia selbst zugute.
Nokia stärkt die Symbian-Plattform
Die Finnen setzen seit Jahren bevorzugt auf Symbian als Handy-OS. Auch in Zukunft soll das Betriebssystem daher neben der Eigenentwicklung "Maemo" eine wichtige Rolle spielen und in zahlreichen Touchscreen-Geräten zum Einsatz kommen. Um im Smartphone-Bereich allerdings dauerhaft Erfolg zu haben, muss ein System auch für Dritthersteller und Programmierer genügend Anreize bieten. So wird die Kaufentscheidung für ein bestimmtes Modell zunehmend ebenfalls über die Anzahl der dafür erhältlichen Applikationen gefällt. Diese rüsten fehlende Funktionen nach und können den Nutzen eines Smartphones fast ins Unendliche erweitern – mit der
Gratis-Abgabe des Navigationsprogramms Ovi Maps hat Nokia diesen Trend zuletzt selbst gefördert. Auch die Freigabe von Symbian ist damit vorwiegend als strategischer Schachzug gegen die gewachsene Konkurrenz von
Apple, Google und Co. zu verstehen. Diese hatte den einst so unangreifbaren Weltmarktführer zuletzt in schwere Bedrängnis gebracht. Nokia muss nun umfassend reagieren – und tut es. Neben einer
angekündigten Produktoffensive soll auch im App-Bereich wieder Anschluss gefunden werden. Bislang bleibt der dafür entwickelte
Ovi Store hinter den Erwartungen zurück. Wie dringend Nokia den Handlungsbedarf offenbar mittlerweile einschätzt, wird auch durch den frühen Veröffentlichungs-Termin des Symbian-Quellcodes deutlich: Ursprünglich sollte dafür erst in vier Monaten der Startschuss fallen.
Symbian ist die Zukunft - das verkündet die Symbian Foundation selbstbewusst auf ihrer Website symbian.org.
Screenshot: onlinekosten.de
Interessierte sind nun aufgerufen, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Über geplante Schritte und neue Features soll völlige Transparenz herrschen. "Die Entwicklergemeinschaft hat die Möglichkeit, die Zukunft der Mobilfunkindustrie entscheidend zu beeinflussen – schnelle Fortschritte in globalem Maßstab werden die Folge sein. Seit dem Bestehen der Symbian-Stiftung haben wir das Ziel verfolgt, die Plattform Mitte 2010 als Open Source-Lösung zu veröffentlichen. Es ist dem außergewöhnlichen Engagement unseres Teams und der beteiligten Firmen zu verdanken, dass wir unser Ziel weit vor dem eigentlichen Zeitplan erreicht haben," sagte der Vorsitzende der Symbian-Stiftung, Lee Williams. Alle 108 Pakete mit dem Quellcode sind bereits auf der Entwickler-Homepage
tiny.symbian.org/open zum Download erhältlich. Auch ein Symbian Entwickler-Kit für App-Programmierer und ein Produktentwickler-Paket für Gerätehersteller können kostenlos heruntergeladen werden. Unterstützt wird dabei auch die letzte Entwicklungsstufe Symbian^3, die noch im ersten Quartal dieses Jahres erscheinen soll.