Bereits seit
Mittwoch vergangener Woche dominieren Apple und das
iPad die Schlagzeilen der IT-Nachrichten. Ein Großteil der Berichterstattung dreht sich dabei um die
Namensstreitigkeiten mit Fujitsu. Aus China meldet sich nun eine Firma zu Wort, die zwar nicht den Namen für sich beansprucht, allerdings die Optik des Gerätes. Der Vorwurf: Das iPad sei eine Kopie ihres Tablet-PCs "P88". Dieser ist bereits seit mehreren Monaten auf dem Markt - und verkauft sich nur schleppend. Schnell kommt der Plagiatsvorwurf in den Verdacht einer Marketing-Aktion.
Klagedrohung gegen Apple
Ausgang aller Aufregung ist die Klagedrohung der "Shenzhen Great Loong Brother Industrial Co., Ltd.", Hersteller des P88. Angeblich sei das Design des chinesischen Touchscreen-PCs durch Apple nachgeahmt worden. "Ich war sehr verärgert und verblüfft, als ich vor wenigen Tagen die iPad-Präsentation in den Nachrichten sah", sagte Wu Xiaolong, Vorstandvorsitzender des Unternehmens, der spanischen Zeitung "El Mundo". "Das ist unser Design. Apple hat es von uns gestohlen, denn wir haben den P88 bereits vor sechs Monaten auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) präsentiert", so Wu weiter. Auch den oft zitierten
Vergleich zu einem "Riesen-iPhone" ließ der Manager im Interview mit dem Blatt nicht gelten. Dies seien Produkte mit völlig unterschiedlichen Funktionen. Nun sorge er sich um seine Umsätze. "Wir ziehen zwar rechtliche Schritte in Betracht, aber haben in den USA wenig Handhabe. Sollte Apple das iPad allerdings nach China bringen, werden wir klagen, da dies Auswirkungen auf unsere Verkäufe haben wird", erklärte Wu.
Tablet-PCs mit optischen Ähnlichkeiten: P88, iPad und HP Slate im direkten Vergleich.
Bilder: Shenzhen Great Loong Brother Industrial Co., Ltd. / Apple / HP
Deutliche Unterschiede in der Ausstattung
Wahrscheinlich ist dies nicht. Denn unabhängig davon, ob Apples Tablet-PC im Land des Lächelns ein Erfolg wird, werden nach bisherigen Erfahrungen in Windeseile unzählige iPad-Plagiate den chinesischen Markt überschwemmen. Schwindende Einnahmen sind dann kaum mehr allein Apple anzulasten. Zudem unterscheidet sich das P88 in vielen Punkten deutlich von Steve Jobs neuester Kreation - im positiven wie im negativen Sinne. Es unterstützt Multi-Tasking und verfügt über Komponenten, die bei Apple nicht verbaut wurden – zu finden sind etwa ein Atom-Prozessor von Intel, eine 160 GB-Festplatte, ein Kartenleser, mehrere USB-Anschlüsse und eine Kamera mit 1,3 Megapixeln. Das Mehr an Leistung hat allerdings auch seinen Preis: Der Akku macht bereits nach 1,5 Stunden schlapp, das Gehäuse ist wesentlich dicker und mit rund einem Kilogramm Gewicht auch schwerer als bei Apples iPad.
Wer nun auf Ähnlichkeiten in der Optik verweist, hat auf den ersten Blick natürlich Recht. Der breite Rahmen des P88 findet sich auch beim iPad wieder – aber ebenso in ähnlicher Form bei
HPs und Microsofts Tablet-PC Slate. Ähnliche Vorwürfe blieben hier jedoch aus. Den Chinesen geht es also offenbar nicht um die angebliche Produktfälschung. Vielmehr wird im Hype um das iPad geschickt ein eigenes Gerät vermarktet. Nun freut man sich über den immens gestiegenen Bekanntheitsgrad. Auf der
Website der "Shenzhen Great Loong Brother Industrial Co., Ltd." ist derzeit zu lesen: "Tablet PC-P88 is being reported all over the world".