Viele Käufer schätzen an
eBay die Möglichkeit, gebrauchte Waren zum Schnäppchenpreis ergattern zu können. Eine Ersatzfernbedienung für den alten Fernseher, ein gelesenes Buch oder Babykleidung für ein paar Euro – was sonst auf dem Flohmarkt gekauft wurde, findet heute den Weg ins
Internet. Für eBay selbst sind diese Niedrigpreisgeschäfte aber weniger lukrativ, mehr Geld lässt sich mit gewerblichen Verkäufern verdienen. Die Umbauarbeiten gingen dabei auch schon zu Lasten der treuen Privatnutzerschaft aus der Anfangszeit. Mit der neuen
Änderungsrunde geht eBay wieder einen Schritt zurück, aber auch zwei nach vorne – oder ist es umgekehrt?
"Na endlich", werden viele sagen
Ab dem 8. Februar hat sich das leidige Thema mit dem kostenlosen Versand als einzige Option für Kategorien wie Bücher, CDs oder Accessoires erledigt. Wie eBay überhaupt auf die Idee kam, dass die Mitglieder nicht merken, dass sich dahinter eher eine Erhöhung der Angebotsgebühr und der Verkaufsprovision als ein reines Zuckerbrot für Käufer verbirgt, ist fraglich. In der Praxis fand sich außerdem schnell eine Methode, um die höheren Kosten zu vermeiden und dennoch die eBay-Anforderungen zu erfüllen: Die Produkte wurden oftmals zwar mit 0 Euro Versandkosten, aber "per Abholung" angeboten. Wer sich die Ware lieber zuschicken lassen wollte, sollte dann zusätzlich angegebene Versandkosten tragen – dies führte zu einer schlechteren Vergleichbarkeit der Preise.
Vermeintlich neue Obergrenzen für Versandkosten sollen es nun richten, eigentlich sind sie aber schon seit Ende 2008 bekannt. Schon damals legte
eBay 2,50 Euro als Maximum für einen Brief und 7 Euro für ein Paket oder Päckchen fest. Die Kritik bleibt die Gleiche: Zu knapp wird die Luft nach oben für die Verpackungskosten bei einem Maxibrief mit der Post oder einem DHL Paket, denn es bleiben lediglich 30 beziehungsweise 10 Cent übrig, wenn man die üblichen Preise heranzieht.
PayPal-Zwang geht weiter
Auch der hauseigene
Bezahldienst PayPal wird immer stärker mit der Plattform verknüpft. Wie onlinemarktplatz.de berichtet, müssen neue Mitglieder mit weniger als 50 Bewertungen bei angebotenen Waren die Zahlung per PayPal anbieten, was dem Kunden mehr
Sicherheit bescheren soll. Der neue Honigtopf für gewerbliche Händler ist die geänderte PowerSeller-Regelung, die nun schon Verkäufer mit 100 Artikeln innerhalb von zwölf Monaten krönt. Bislang mussten Händler für die PowerSeller-Krone mindestens 300 Auktionen innerhalb von drei Monaten vorweisen. Dies führt zu niedrigeren Gebühren und somit noch mehr Neuwaren bei eBay, was den Spagat zwischen Online-Flohmarkt und -Kaufhaus zusehends schwieriger werden lässt. Auch die
Integration der kostenlosen Kleinanzeigen trägt zum Tanz auf mehreren Hochzeiten bei.
Hü oder hott?
Es ist nicht das erste Mal, dass eBay Regeln einführt und sie später wieder abschafft. Immerhin muss man dem Konzern zu Gute halten, dass er nicht nur Feedback von seinen Mitgliedern einholt, sondern auch bereit ist, auf Änderungswünsche einzugehen. Aber: Wesentlich besser wäre es, solch strittige Punkte wie die Versandkostenhöhe vorab zur Diskussion zu stellen. Schon an den ersten Reaktionen hätte eBay erkennen können, dass dies die Nutzer abschreckt, und sich somit Zeit, Mühe und unzufriedene Kunden gespart.
Die Zeit der Einfachheit ist lange vorbei, zu groß ist das Durcheinander aus alt, neu, privat und gewerblich. Die Regeln sind zu zahlreich und viel zu kompliziert, viele Neuerungen erweisen sich als Verschlimmbesserung. Wünschenswert wäre eine klare Linie und eine deutlichere Trennung der beiden Geschäftsfelder. Nebenbei könnte eBay eine weitere, später eingeführte Regel wieder abschaffen beziehungsweise den ursprünglichen Zustand wiederherstellen:
Negative Bewertungen für Käufer. Solange bleibt für viele nur der Blick auf die guten alten Zeiten oder auf die
Alternativen zu eBay.