Es hört sich harmlos und idyllisch an: Beim
Internet-Spiel Farmville pflanzen die Spieler Erdbeeren und Bäume an, melken Kühe und bauen sich ein Bauernhaus. Im Online-Netzwerk
Facebook ist das Spiel in kürzester Zeit zu einem Massenphänomen geworden. Knapp 75 Millionen virtuelle Bauern aus allen Teilen der Welt beackern ihr kleines Stück Internet-Land - Tendenz steigend. Doch in der Farmville-Welt ist nicht alles eitel Sonnenschein: Verbraucherschützer warnen vor der Datensammelwut des Anbieters, einige Spieler berichten von unerlaubten Konto-Abbuchungen.
Virtuelle Haustiere pflegen
Die amerikanische Internet-Firma Zynga zeigt sich überrascht von dem Erfolg des erst im Juni 2009 gestarteten Spiels. Er habe für Ende des Jahres vielleicht um die fünf Millionen Nutzer erwartet, sagte Gründer Marc Pincus in einem Interview. Aber Spiele wie Farmville dieser Art erleben in
sozialen Netzwerken gerade einen Boom. Mit Zynga kann man sich ein Aquarium basteln (Fishville), Haustiere pflegen (Petville), eine Gaststätte führen (Cafe World) oder sich durch die Unterwelt kämpfen (Mafia Wars).
Konkurrent Playfish ist mit ähnlichen Spielen wie Gangster City, Pet Society oder Country Story am Start. Im November übernahm der
Computerspiele-Entwickler Electronic Arts Playfish. Neben dem Kaufpreis von rund 275 Millionen Dollar zahlte EA noch etwa 25 Millionen Dollar sonstige Aktiva und stellte weitere Zahlungen von bis zu 100 Millionen Dollar bei bestimmten Ergebnissen in Aussicht.
Lohnendes Geschäft für Betreiber
Verbraucherschützer warnen vor Online-Spielen von Zynga für Facebook. Screenshot: onlinekosten.de
Die virtuellen Welten bringen den Betreibern durchaus reales Geld. Bei Farmville zum Beispiel kann man zwar zunächst kostenlos mit Fleiß "Erfahrungspunkte" sammeln und virtuelles Geld verdienen, um sich Saatgut und Tiere kaufen zu können. Dafür muss der Farmer regelmäßig nach seinen Pflanzen sehen, denn sonst gehen sie ein. Begehrte Elemente wie etwa ein Haus kriegt man aber schneller, wenn man für echtes Geld sein Farmville-Konto auffüllt, per Kreditkarte oder über den Bezahldienst
Paypal.
Auch wenn die meisten Spieler nur kleine Beträge ausgeben, es kommt einiges zusammen. Zynga hat nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 230 Millionen Spieler an sich gebunden. Laut "New York Times" nimmt das Unternehmen pro Jahr rund 250 Millionen Dollar ein und wächst schnell. Der russische Investor Digital Sky Technologies - unter anderem bei Facebook engagiert - steckte jüngst 180 Millionen Dollar in das Startup. Böse Zungen spotteten, das müsse an der Begeisterung für "Mafia Wars" liegen.