Die Vorfreude war gigantisch, die Hoffnung auf echte Innovationen mindestens ebenso groß. Unter dem Motto "Come see our latest creation" lockte Apple ausgewählte Blogger und Journalisten am Mittwochabend nach San Francisco, um das
iPad vorzustellen; einen
Laptop (oder eher ein
Netbook!?) ohne Tastatur. Keine Frage: das überdimensionale
iPhone sieht nett aus, aber ist es wirklich innovativ?
Kaum Innovationen
Wer genau hinschaut, stellt fest: leicht und dünn ist der kleine Tablet
PC zweifelsohne, aber wo ist die wirklich neue Technik? Im Vorfeld der Präsentation wurde über einen superbrillanten Bildschirm mit OLED-Technologie spekuliert. Geworden ist es "nur" ein TFT-Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung einer diagonalen Abmessung von knapp 10 Zoll. Hinzu kommt, dass die Apple-Designer sowohl auf eine integrierte Kamera als auch auf eine Telefon-Funktion verzichtet haben. Es fehlt bedauerlicherweise sogar an Flash-Unterstützung. Man muss festhalten: das iPad kann mit integrierter
WLAN- und (auf Wunsch)
UMTS-Schnittstelle einiges, aber bei Weitem nicht alles.
Das iPad von Apple soll ein neues Zugpferd werden. Ob es klappt, steht noch in den Sternen. Bild: Apple
Doch Apple wäre nicht Apple wenn nicht trotzdem ein kleines Feuerwerk abgebrannt würde. Und das zündet - für Apple eher untypisch - in der Preispolitik. Eigentlich hatte man beim Entwicklungsstart damit kalkuliert, das iPad zu einem Preis von etwa 1.000 US-Dollar anzubieten, verriet Konzernchef Steve Jobs. Tatsächlich geht es zum Verkaufsstart in zwei Monaten bei 499 Dollar los, was unter anderem einen Frontalangriff auf Amazons jüngsten E-Book-Reader
Kindle DX bedeutet. Der kostet Stand heute 489 Dollar - allerdings mit UMTS-Modul, das beim iPad 130 Dollar extra kostet. Kritisch könnte man aber auch die Frage stellen: warum ein iPad kaufen, wenn es ein Netbook für 250 Euro gibt? Nur wegen eines integrierten
E-Book-Readers das Doppelte bezahlen?
Jobs ist begeistert - die breite Masse auch?
Die Philosophie von Apple scheint jedenfalls klar: Man will den Massenmarkt ansprechen und den konzerneigenen Tablet PC endlich zu dem Erfolg führen, der Modellen anderer Hersteller bisher verwehrt blieb. Und offenbar glaubt man an diesen Erfolg - zumindest Steve Jobs selbst. Er bejubelte das iPad als "fortschrittlichstes Stück Technik", das er je bei Apple mitentwickelt habe. Auch dank des appleeigenen Gigahertz-
Prozessors, der das iPad antreibt und einer durchaus beeindruckenden Akku-Laufzeit von bis zu zehn Stunden.
Nun gelte es, sagt Jobs, jene 75 Millionen Menschen weltweit zu begeistern, die wüssten, wie das iPad zu bedienen ist. Vermutlich wird Apple der Durchbruch gelingen - denn auch vor dem iPhone gab es schon Smartphones.