Die deutsche Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA fordert europaweit einheitliche Regeln für die Verwaltung von Urheberrechten. "Derzeit passiert vieles unkontrolliert und unabgestimmt. Wenn jemand ein Musikstück in einem anderen Land lizenziert, weiß er häufig nicht, ob er damit gegen nationales oder europäisches Recht verstößt", sagte der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker am Montag auf dem internationalen Branchentreff Midem in Cannes. "Deswegen fordern wir - zusammen mit sieben Partnergesellschaften - von Brüssel eine Vereinheitlichung."
GEMA: Bedingungen unklar
Gerade mit Blick auf das grenzüberschreitende
Internet und den
Handel mit digitaler Musik werde ein internationales Vorgehen der Verwertungsgesellschaften immer wichtiger. Der GEMA geht es dabei vor allem darum, Musikrepertoire deutscher Künstler im Ausland lizenzieren und dafür Gebühren einstreichen zu können. "Derzeit sind die Bedingungen dafür völlig unklar. Wir wissen nicht genau, was wir dürfen und was wir nicht dürfen", sagte Heker. Von einer europaweit einheitlichen Verfahrensweise profitierten die Musikurheber direkt, da die GEMA höchstwahrscheinlich mehr Geld für sie einnehmen könne. Im Jahr 2008 lagen die Einnahmen bei 823 Millionen Euro, 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
GEMA als Vorbild für Europa?
GEMA: EU-einheitliche Regeln für die Verwaltung von Urheberrechten. Screenshot: onlinekosten.de
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der den deutschen Unternehmen und Verbänden auf der Musikmesse einen Besuch abstattete, nannte die GEMA ein Vorbild für Europa. "Wenn die europäischen Verwertungsgesellschaften nach einem einheitlichen Rechtsrahmen und einer gemeinsamen Vorgehensweise suchen, sollten sie sich die GEMA als Vorbild nehmen", sagte er. "Wir müssen sicherstellen, dass die Kreativen für die Nutzung ihrer Werke ordentlich entlohnt werden", sagte er. Im digitalen Zeitalter sei ein abgestimmtes Vorgehen auf "europäischer, ja globaler" Ebene nötig.
Ein einheitlicher Rechtsrahmen für alle stärke auch die Urheber in ihren Verhandlungen mit großen, weltweit operierenden Internetfirmen. "Es ist sehr, sehr schwer für kleinere Verwertungsgesellschaften, gegenüber solchen Giganten wie Apple und YouTube angemessene Verträge durchzusetzen. Wenn wir das selbst tun, weil wir glauben, dass wir das besser können, dann ist das eine rechtliche Frage, weil wir grenzüberschreitend aktiv werden."