Die Blütezeit des klassischen
DSL-Anschlusses neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Während sich die Entwicklung stetig in Richtung zweistelliger Geschwindigkeitswerte bewegt, läuft die ADSL-Technik bereits heute am Limit. Gleichzeitig vermelden die
Kabelanbieter immer neue Bandbreitenrekorde und die Glasfasertechnik kündigt sich als Zukunftslösung an – wenn auch der Ausbau noch
viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Im Mobilfunkbereich steht wiederum der neue Standard
LTE kurz vor der Einführung. Die nächsten Monate und Jahre dürften demnach äußerst spannend werden. Wir geben einen Überblick über wichtige Entwicklungen in Breitband, Festnetz und Mobilfunk, die am Mittwoch auf der Euroforum-Jahrestagung "Telecom Trends" in Düsseldorf zur Sprache kamen.
Die fetten Jahre sind vorbei
Konsens herrschte unter den anwesenden Experten bei der Feststellung, dass der Verdrängungswettbewerb in der Branche weiter zunehmen werde –
Stichwort: DSL-Konsolidierung. Gleichzeitig schrumpft der Gesamtmarkt immer weiter. Seit dem Jahr 2005 sind die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland rückläufig – eine Entwicklung, die sich auch in der Beschäftigungsentwicklung des Wirtschaftszweiges niederschlägt. Insbesondere die
Deutsche Telekom ist hier betroffen. Nach einer Analyse von Professor Torsten Gerpott, Leiter des Lehrstuhls für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hat der Konzern in den letzten fünf Jahren rund 53.000 Stellen abgebaut. Im gleichen Zeitraum bewegte sich der Umsatz mit Festnetzdiensten kontinuierlich nach unten – rund zehn Prozent Marktanteil musste die Telekom an die Konkurrenz abgeben.
Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Bild: Euroforum
Der Trend geht zum Komplettanschluss - bei steigenden Ansprüchen
Ein Grund für das Wachstum bei den alternativen Netzprovidern sind die offensiv vermarkteten Komplettanschlüsse mit
Internetzugang, Telefonie und
Flatrates. Call-by-Call und Preselection verlieren rasant an Bedeutung. Nach einer Schätzung von Experte Gerpott wurden 2009 bereits über 70 Prozent aller Sprachverbindungen bei den Telekom-Wettbewerbern über All-in-One-Anschlüsse geführt. Insgesamt liegt der Anteil der Telekom bei Festnetz-Telefonie jedoch immer noch bei circa 40 Prozent – Tendenz sinkend. Im
DSL-Geschäft kann sich der Ex-Monopolist besser behaupten und seinen Marktanteil trotz bereits absehbarer Stagnation im Gesamtmarkt weiter ausbauen. Nach Berechnungen von Gerpott wurden 2009 über 52 Prozent der 22,1 Millionen DSL-Anschlüsse in Deutschland von der Telekom gestellt.
Dennoch steht der Breitbandmarkt vor neuen Umbrüchen, denen sich die Unternehmen stellen müssen. Hauptantrieb hier sind die steigenden Bandbreiten, die derzeit insbesondere durch die Kabelanbieter gepusht werden. Im ADSL-Bereich hingegen sind 16 Mbit/s das obere Ende der Fahnenstange. Auch das glasfaserbasierte
VDSL kommt (noch) nicht über 50 Mbit/s hinaus. Demgegenüber steigen jedoch auch die Ansprüche bei den Endverbrauchern. Laut der Unternehmensberatung "Dialog Consult" und Gerpott haben diese in Deutschland innerhalb eines Jahres deutlich aufgerüstet. Verfügten noch 2008 lediglich 31 Prozent aller
DSL-Kunden über eine Geschwindigkeit zwischen sechs und 50 Mbit/s, lag ihre Zahl im Vorjahr schon bei 51 Prozent. Während im Kabelbereich bereits 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung stehen, gelangen die DSL-Anbieter dabei in absehbarer Zeit an ihr technisches Speedlimit.