Die im Februar 2009 beschlossene
Breitbandstrategie der Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2010 alle Lücken in der Breitbandversorgung zu schließen. Bis 2014 sollen zudem bereits 75 Prozent aller Haushalte über Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen. Die Telekommunikations-Experten Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen, Arndt Rautenberg von der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants sowie Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim bezweifelten die Umsetzbarkeit dieser Pläne. Es sei nahezu sicher, dass ein Anschluss von rund 29 Millionen Haushalten an Glasfasernetze innerhalb der nächsten vier Jahre nicht stattfinden werde, so das Fazit auf der Euroforum Jahrestagung "Telecom Trends" in Düsseldorf.
Schleppender Ausbau
Grund sei der schleppende Ausbau von glasfaserbasierten Zugangsnetzen, der weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurückliege. So sei etwa die Deutsche
Telekom Mitte 2005 noch davon ausgegangen, dass der
VDSL-Ausbau innerhalb von zwei Jahren in 50 deutschen Städten abgeschlossen sein werde, sagte Gerpott. Tatsächlich wurde diese Marke aber erst Anfang 2009 wirklich erreicht. Bei Glasfasernetzen in den Varianten FTTB (Fibre to the Building) und FTTH (Fibre to the Home) seien bis Ende letzten Jahres lediglich 0,4 bis 0,6 Prozent aller deutschen Haushalte angeschlossen worden. Gegen einen großflächigen Ausbau spreche häufig die fehlende Wirtschaftlichkeit für die
Internetanbieter. “Die Breitbandinitiative der Bundesregierung hat zu lange nur auf DSL gesetzt“, sagte auch Rautenberg. Rothauge fügte hinzu, der Glasfaserausbau sei für die Anbieter oft betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.
Glasfaser-Ausbau braucht Partnerschaften
Bisher beschränke sich der Glasfaserausbau abseits des VDSL-Netzes daher auf wenige Projekte in Ballungszentren, die oft von kommunalen Trägern und lokalen Providern initiiert worden sind. "Für Glasfaser werden regionale und lokale Partnerschaften benötigt. Ein bundesweiter Ausbau durch einen bestimmten Anbieter ist eher unwahrscheinlich", sagte Gerpott. FTTB-Zugangsnetze rechneten sich selbst in Städten nur für circa 25 Prozent der Haushalte in Deutschland. Nach seiner Prognose werden bis Ende 2013 höchstens 1,8 Millionen deutsche Haushalte über einen Glasfaserzugang mit FTTB oder FTTH verfügen. "Das ist ein langfristiges Thema", so Gerpott.
Im Vergleich mit 20 europäischen Ländern liege Deutschland damit nur auf dem 16. Platz. Insgesamt sei ein Ausbau hierzulande für maximal 38 Millionen Haushalte möglich. Bisher sieht Gerpott im Privatkundenbereich für Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr allerdings ohnehin noch wenig Anwendungsmöglichkeiten. "Außer HDTV fällt mit nichts ein, wo ich sagen würde, 'ja', dafür muss man Anschlüsse mit 100 Mbit/s haben."