In Kürze soll es bereits soweit sein: Dann fällt auf der Website der renommierten "New York Times" (NYT) endgültig die Bezahlschranke, berichtet das US-Magazin "New York Magazine" in seiner Onlineausgabe
nymag.com. Für Beobachter kommt der Schritt allerdings wenig überraschend. Bereits im Juli hatte das Blatt eine entsprechende
Umfrage unter seinen Abonnenten durchgeführt. Zudem gab es bei der NYT auch davor immer wieder Versuche, Inhalte im
Internet kostenpflichtig anzubieten.
Möglicher Start noch im Frühjahr
Das neue Bezahlmodell soll noch im Frühjahr starten und orientiert sich offenbar am Trial-Prinzip, welches etwa bereits bei der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" praktiziert wird. Dabei können die Leser prinzipiell auf eine bestimmte Anzahl von Artikeln kostenlos zugreifen, danach wird der Zugang eingeschränkt und eine Aufforderung zum Zahlen erscheint. Laut "New York Magazine" soll die Entscheidung für eine beschränkte Offenheit von
nytimes.com die Vorteile eines Bezahlangebotes mit der Eigenschaft als reichweitenstarke Werbeplattform vereinen. Das Kalkül: Während die frei zugänglichen Bereiche weiterhin Millionen von Lesern anlocken und so die Online-Reichweite der NYT sowie die Attraktivität für Werbekunden erhalten, sorgt der eingebaute Sperrzähler für steigende Einnahmen durch zahlende Nutzer. Ob die Idee allerdings auch in der Praxis so trickreich funktioniert, muss sich erst beweisen.
Bald nur noch gegen Entgelt vollständig erreichbar: das Online-Angebot der "New York Times".
Screenshot: onlinekosten.de
Innerhalb der Times-Redaktion seien die Pläne seit langem kontrovers debattiert worden, so nymag.com. Auch jetzt gingen die Meinungen dabei auseinander. Während die Gegner massive Leserverluste befürchteten, verwiesen die Befürworter auf zu erwartende Umsatzsteigerungen. Den endgültigen Ausschlag für die schnelle Einführung eines kostenpflichtigen Angebots gaben demnach aber vor allem die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Werbemarkt. Massive Rückgänge in den Anzeigenerlösen hätten für Meinungsumschwünge bei vielen Kritikern gesorgt, schreibt das Magazin.
Vorreiter: Murdoch und Springer
Mit ähnlichen Argumenten hatte auch Rupert Murdoch
im Mai 2009 angekündigt, den freien Zugang zu Online-Angeboten seines Medienimperiums nach und nach zu sperren. Den Anfang machte im Herbst letzten Jahres
das "Wall Street Journal". Die
Website des Blattes ist seitdem nur noch teilweise zugänglich - getrennt in kostenfreie Basis- und kostenpflichtige Premiuminhalte.
Einer der europäischen Pioniere bei "Paid Content" ist das
französische Online-Magazin Mediapart. In Deutschland steht zudem der Axel Springer Verlag in vorderster Reihe der
Befürworter von Bezahlinhalten. Die Springer-Titel
"Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" sind seit Dezember nur noch gegen Gebühr im Internet abrufbar. Zudem vermarktet das Medienhaus
kostenpflichtige iPhone-Apps für seine Titel "Bild" und "Welt kompakt" – nach
eigener Aussage mit Erfolg.