Dienstag, 19.01.2010 16:16

Studie: IPTV-Wachstum nur mit offenem Standard

aus dem Bereich Sonstiges
Das Fernsehen per Internet (IPTV) bietet eine breite Vielfalt an Sendern. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens goetzpartners Management Consultants steigt die IPTV-Nutzung in Deutschland rasant an. Im vergangenen Jahr knackte T-Home mit Entertain die Zahl von einer Million IPTV-Kunden. Zur Nutzung der breitbandigen Programm-Angebote wird in der Regel eine Set-Top-Box benötigt. Die einzelnen Internetanbieter setzen hierbei meist auf eigene, geschlossene technische Standards. Dies könne nach Ansicht von Experten der international tätigen Unternehmensberatung Arthur D. Litte allerdings künftig zum Hindernis für ein weiteres Wachstum des Internetfernsehens werden. Sie fordern daher die Schaffung eines offenen Industriestandards. In dem Bericht "Open Standards for IPTV Set-Top Boxes" rufen sie Telekommunikationsunternehmen weltweit zur gemeinsamen Entwicklung eines solchen preisgünstigen Standards für das Internetfernsehen auf.

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Standard für Set-Top-Boxen

Provider bieten IPTV laut Arthur D. Little vor allem auch an, um damit den Ausbau der schnellen Glasfaser-Breitbandnetze zu finanzieren. Denn für das Fernsehen per Internet werden auch höhere Bandbreiten benötigt. Dieser Ansatz gehe nach Ansicht der Unternehmensberater jedoch nicht auf. Denn nur ein weltweit einheitlicher Standard und die Einigung auf einen Gerätetyp für den Empfang von IPTV könne die hohen Erwartungen der Branche in die neue Form des Fernsehens erfüllen. Die Haushalte der Verbraucher verfügten schon jetzt über etliche internetfähige Geräte wie Spielkonsolen, PCs oder DVD-Player. Zum Standard sollte nach Ansicht von Arthur D. Little jedoch eine Set-Top-Box werden, die offen für weitere Innovationen sein müsse.

Offener Standard senkt Kosten

"Ohne einen weithin akzeptierten Standard für die IPTV-Bereitstellung riskiert die Branche eine niedrigere Interoperabilität und höhere Kosten", so Klaus von den Hoff von Arthur D. Little. Für schnelle Preissenkungen und eine breite IPTV-Einführung müssten Hersteller, Betreiber und Regulierungsbehörden auch zu Kompromissen und Kooperationen bereit sein. Lizenzkosten für die genutzte technische Ausstattung der Set-Top-Boxen sollten durch entsprechende Lizenzverträge mit den Patentinhabern möglichst niedrig gehalten werden. Ein offener Standard könne zwar von Hackern gefährdet sein, dies gelte für die geschlossenen Systeme aber ebenso.

Der gemeinsame IPTV-Standard dürfe sich Innovationen nicht verschließen, müsse aber abwärtskompatibel mit älteren Versionen sein. Die Unternehmensberater fordern zudem die Etablierung einer weltweit repräsentativen, unabhängigen Organisation, die den Standard – unabhängig von finanziellen und politischen Interessen – entwickelt.
Jörg Schamberg
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