Im vergangenen Frühjahr entdeckten kanadische Forscher sogar ein großes, international operierendes Spionagenetz, das 1.295 Rechner in 103 Ländern mit seiner Software angezapft hatte. Bis zu 30 Prozent der Ziele waren "hochrangige Ziele" wie Regierungsstellen, Außenministerien, Medien, internationale Organisationen und Botschaften, darunter auch deutsche Vertretungen.
Chinesisches Geisternetz
Selbst das Nato-Hauptquartier in Brüssel oder die Büros des von Peking als Separatist verteufelten Dalai Lama wurde ausspioniert. Die Forscher sprachen von einem "Geisternetz" (GhostNet). Das Programm hatte eine Bedieneroberfläche in chinesischer Sprache und wurde fast ausschließlich von Rechnern in China kontrolliert.
Im Sommer flog ein groß angelegter Hacker-Angriff auf rund 100 US-Technologiefirmen auf, um wichtige Computerdaten zu stehlen. Die schädlichen Programme damals bekamen ihre Instruktionen von ähnlichen
Servern wie jetzt auch bei dem Angriff auf Google. Dass diese Attacke auf den Internetkonzern allerdings einen Streit über Meinungsfreiheit und Zensur in China auslösen würde, hätten die Hacker aus China sicher nicht gedacht. Doch für Google war damit das Maß voll - nach vier Jahren zähneknirschender Selbstzensur in China kündigte das Unternehmen den chinesischen Behörden die ohnehin brüchige Freundschaft auf.
Zensur zur Stabilisierung des Staates
Auf
Googles Drohung, sich aus China zurückzuziehen, wenn sie sich weiter zensieren müssen, wird aber wohl tatsächlich der Abzug folgen.
Chinas Regierung zeigte sich am Donnerstag unbeeindruckt und verkündete, jedes ausländische Internetunternehmen müsse sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten, wozu auch die Zensur zählt.
Die harte Haltung verwunderte niemanden, denn die Meinungshoheit im Internet und seine Kontrolle sind für die Kommunistische Partei schlicht Überlebensfragen. Schon vor zwei Jahren hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao im Politbüro gewarnt: "Ob wir das Internet im Griff haben, hat Auswirkungen auf die Entwickelung der sozialistischen Kultur ... und die Stabilität des Staates."