Deutsche Firmen in China klagen über die Neugier chinesischer Behörden. Mit neuen Regelungen für den Zugang zum chinesischen Markt wolle das Land die ausländischen Unternehmen zwingen, geheime interne Daten offen zu legen, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag. Dies werde von zahlreichen Unternehmen als problematisch angesehen. Insbesondere Maschinenbauer und Computerspezialisten müssten bei einer Zertifizierung in China hochsensible Daten freigeben. Hinzu kämen Bestimmungen, die bei staatlichen Aufträgen chinesische Produkte bevorzugten.
Abwanderung innovativer Firmen
"Es darf nicht sein, dass etwa Automobilfirmen in Joint Ventures mit Technologieübertragung gezwungen werden oder dass Detailpläne der Produktionsprozesse für Genehmigungsverfahren abgegeben werden müssen," sagte Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Asien-Pazifik- Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) der Zeitung. Laut "Handelsblatt" beschäftigen große deutsche Konzerne wie Siemens mittlerweile eigene Rechtsexperten, die diese Prozesse prüfen. August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Branchenverbandes BITKOM, ergänzte, "die geplante Zertifizierung für bestimmte IT-Sicherheitsprodukte mit Zwang zur Offenlegung der Quellcodes wird zu einer Abwanderung innovativer Firmen aus China führen". Demnach dürften ab 1. Mai 2010 viele IT-Produkte ohne staatliche Zertifizierung weder in China hergestellt noch importiert oder verkauft werden. Das betreffe unter anderem IT-Sicherheitsprodukte wie
Firewalls,
Betriebssysteme, Produkte zur Datenwiederherstellung und
Router.
Viele deutsche Unternehmen scheuen unterdessen den Gang nach Fernost oder verzichten auf lukrative Aufträge aus China – so etwa in der hoch spezialisierten Solarbranche. Dies sei inzwischen "das größte Exporthemmnis für europäische Firmen", so deutsche Wirtschaftsvertreter gegenüber dem "Handelsblatt". Diese befinden sich in einer Zwickmühle: So verspricht der boomende chinesische Markt neue Kunden und steigendes Absatzpotential. Andererseits birgt ein Einstieg die Gefahr, mühsam erarbeitetes Know-how in kürzester Zeit an asiatische Konkurrenten zu verlieren. "China sollte eher die internationalen Standards zur gegenseitigen Zertifizierung mit beschränkten Offenlegungspflichten übernehmen", so APA-Chef Hambrecht. Nur gemeinsame Standards förderten den gewünschten Ausbau der Beziehungen, mahnte er.